Abendgebete.
7.
17
Abermals, o ewiger und unveränderlicher Gott! habe ich eine Woche verlebt; und wo ist sie hin? Wo sind sie hin, die Stunden und Tage, die Monate und Jahre, die mir deine Gnade schon geschenkt hat? Hin sind sie in's Meer der Ewigkeit, sie sind ohne Aufhalten verschwunden. So werden auch meine fünftigen Tage dahin eilen, und ihr letter wird erscheinen, ehe ich es meine. Denn es ist ja den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Ach, wie oft habe ich das nicht so bedacht, wie es hätte geschehen sollen! Bei dem Glauben an ein Gericht und an eine gerechte Vergeltung nach dem Tode hätte ich mich üben sollen, ein unbeflecktes Gewissen allezeit zu bewahren. Aber oft, o Gott, und auch an dem heutigen Tage, habe ich die mir verliehenen Kräfte und Gaben nicht nach deinem Willen angewandt, oft meinen Begierden und Leidenschaften den Zügel gelassen, Worte gesprochen, die sündlich waren, oder zur Sünde Gelegenheit gaben. Und wie oft habe ich mich in die Geschäfte, Zerstreuungen, Vergnügungen und Sorgen des Lebens so sehr verwickelt, daß ich die Sorge für das Heil meiner Seele hintan seßte!
Ach, Herr, der du aller Welt Richter bist, wie könnte ich dir von dem, was ich je gedacht und gewollt, gethan und unterlassen habe, freudige Rechenschaft geben! Vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Beklagenswerth würde mein Zustand sein, wenn ich mit banger Furcht dem Schlafe, ja vielleicht dem Tode, dem Gerichte und der Ewigkeit entgegen gehen, oder auch nur in der Ungewißheit bleiben müßte, ob du mich einst mit Gnaden aufnehmen oder verwerfen werdest. Ich weiß aber, an wen ich glaube, und bin gewiß, daß du um Jesu willen auch mir reuevollem Sünder Gnade widerfahren läsfest. Wie beruhiget, wie erhebt diese Versicherung meinen Geist! Diesen Glauben stärke und erhalte mir, und hilf, daß ich ihn, wenn ich morgen gesund erwache, durch Liebe zu dir und durch ein ernstliches Streben, deinen Willen in allen Stücken aufrichtig und eifrig zu thun, thätig und wirksam beweise. Dann habe ich die Hoffnung, am letzten Abend der künftigen Woche vor dir in zunehmender Vollkommenheit zu erscheinen; dann tröste ich mich der Zuversicht, ich werde vor


