Abendgebete.
2.
Vollbracht ist nun mein Tagewerk, liebreicher Gott, und dir allein gebührt dafür die Ehre. Was hätte ich vermocht, wenn du nicht mein Leben erhalten, mir Gesundheit, Munterfeit und Kräfte zu meinen Geschäften verliehen und den Fortgang derselben begünstigt hätteft? Ich rühme dich daher mit erfreuter Seele, und danke dir ge rührt für die Beweise deiner Güte, die du mir auch heute gegeben hast.
Aber, Herr, wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Vergieb mir, wenn ich dich nicht immer vor Augen und im Herzen gehabt habe und unheilige Gedanken und Bestrebungen in mir herrschend geworden sind; vergieb mir, wenn ich bei meinen Berufsarbeiten nicht mit der gehörigen Treue und Gewissenhaftigkeit handelte und das, was Stand und Beruf mir auflegte, nicht immer in der reinen Absicht that', mich durch Vollbringung meiner Pflichten deines unschäßbaren Beifalls würdig zu machen.
Dir gelobe ich, und du wirst mich zur Erfüllung dieses Versprechens mit deines Geistes Kraft unterstützen, dir gelobe ich, mich zu beeifern, täglich weiser, frömmer und dir wohlgefälliger zu werden, besonders die Werke meines Standes und Berufs fleißig, zur rechten Zeit, in der rechten Ordnung, in der rechten Absicht zu verrichten und Alles, was du mir anvertrauet hast, treu zu verwalten. Dann kann ich jeden Tag meines Lebens froh beschließen und mit Grunde hoffen, am großen Vergeltungsmorgen das erfreuliche Wort zu vernehmen: du Frommer und Getreuer, du bist über wenig getreu gewesen, ich will dich über viel seßen, gehe ein zu deines Herrn Freude.
Bis zum Abend meines Lebens
laß mich unermüdet sein; so bleibt mein Gewissen rein,
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und ich lebe nicht vergebens,
und dann folgt mir aus der Zeit reife Frucht zur Ewigkeit.
Amen.


