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Morgengebete.
andere Menschen noch liebreicher, barmherziger, aufrichti ger, redlicher, sanftmüthiger, verföhnlicher werden, wenn ich dir ähnlich sein will.
Dieses Alles fühle ich mit Wehmuth meines Herzens, bekenne es vor dir, Allwissender, mit Reue und Beschä mung. Es ist aber mein Ernst und unverbrüchlicher Vorsaß, deinem Beispiele, mein Heiland, nachzustreben. Auch heute soll mich's lehren, wie ich gegen Gott und Menschen gesinnet sein soll; auch heute will ich über mich wachen, ein besserer Mensch, ein besserer Christ zu werden; auch heute will ich aus allen Kräften danach streben, meine Neigungen mehr zu überwinden und in meinen Pflichten gewissenhafter zu werden. Ach, hilf mir dazu und stärke mich durch deines Geistes Beistand, daß ich meine Heili gung in deiner Furcht vollende und mir am Abende des heutigen Tages das beruhigende Zeugniß geben kann, meinem großen Ziele näher gekommen zu sein! Amen.
7.
Ewiger, unveränderlicher Gott! du bleibest, wie du bist,
und deine Jahre nehmen kein Ende. Ich aber bin einer Blume des Feldes gleich, die heute blühet und morgen schon welket. Meine Tage fliehen schneller als ein Strom vorüber, und die ganze Zeit meiner Wallfahrt eilet und schwindet dahin, gleich den Stunden bei einem freundschaftlichen Gespräche. Es ist mir völlig unbekannt, wie lange ich noch leben werde, und eben so wenig weiß ich, wann, wie und wo ich sterben werde. Nur du siehest die Stunde meines Todes und hast sie nach deinem weisen Rathe bestimmt, wie die Stunde meines Erscheinens in der Welt.
O mein Gott und Vater! lehre mich dochy selbst be denken, daß ich bald oder später ohnfehlbar sterben muß, daß ichy hier keine bleibende Stätte habe, sondern daß ich die zukünftige, die mir mein Heiland bereitet hat, suchen muß, daß mein Leben auf Erden nur Vorbereitungs- und Uebungszeit sei, daß es jede Stunde ein Ende nehmen könne, und daß von der Anwendung dieses flüchtigen und vergänglichen Lebens gleichwohl meine ewige Wohlfahrt oder ewiger Verlust und Nachtheil für mich abhängt.


