Gebet vor und nach der Beicht.
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Herz ergriffen, so manche gute Rührung in meinem Innern erweckt, mich so oft auf mein ewiges Heil aufmerksam zu machen gesucht. Aber ach, ich habe die Hand dieses göttlichen Führers zurückgestoßen, ich habe das Werk seiner göttlichen Gnade in mir vereitelt, ich habe die guten Eindrücke die er in mir weckte, durch Leichtsinn und Eitelkeit geschwächt und erstickt, ich habe seine Warnungen und Drohungen, seine Verheißungen und Ermunterungen verachtet. Ich habe muthwillig widerstrebt dem guten Geiste, der mich Gott und meinem Erlöser heiligen und auf die Ewigkeit vorbereiten
wollte!
Ich habe das große Gebot meines Heilandes: liebe deinen Nächsten wie dich selbst, oft und viel durch Gesinnungen, Reden und Thaten übertreten. Ich habe die unseligen Triebe des Stolzes, der Selbstsucht, des Neides, des Zornes und der Rachsucht in mir genährt. Ich war so oft nur auf das meine, nicht auf das was des andern ist bedacht. Ich war sogar gegen die Noth und das Elend meiner Mitmenschen oft gleichgültig und unempfindlich. Ich habe durch Aergernisse und durch böses Beispiel, durch leichtsinnige, sündliche Worte und Handlungen Unsegen und Unheil gestiftet, und mich an dem Gewissen und Herzen meiner Brüder und Schwestern verfündigt.
Ich bin für die Ewigkeit geschaffen. Aber ach, ich habe das wichtige Gebot meines Heilandes: trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, außer Augen gesetzt. Ich habe unter irdischen Geschäften, Genüssen, Sorgen und Zerstreuungen die Sorge für das Ewige hintangefegt.
Allwissender! ich will dir meine Sünden bekennen, und meine Verschuldungen nicht verhehlen. Ja, Vater, ich habe gesündiget vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Erwecke selbst in mir Gefühle der tiefsten Neue und des innigsten Abscheus gegen alles Böse. Laß mich Gnade und Vergebung finden an dem Altar der Beichte, an welchem ich mein verwundetes Gewissen durch den Hinblick auf das Kreuz meines Erlösers heilen will. Komm mir selbst, Herr Jesu, mit deinem holden Worte entgegen: sey getrost deine Sünden sind dir vergeben. Laß dir, o Gott, die aufrichtigen Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich dir darbringe, wohlgefallen, und gib mir Kraft, sie zu erfüllen. Schaffe in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Tröste, erquicke und stärke mich durch deine Hülfe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erhöre das Flehen der Demuth und des Glaubens um Jesu Christi willen. Amen.
Gebet nach der Beicht.
Dankend erhebt sich mein Herz zu dir, dem Gott des Trostes, dem Vater der Barmherzigkeit. Du hast deinen Sohn in die Welt gefandt, die Sünder selig zu machen. Du hast mich, dein reumüthiges Kind, aufs neue deiner alles verzeihenden Liebe und Gnade versichert, und den Trost deines Evangeliums von dem gekreuzigten Heiland aller sterblichen Sünder meinem Herzen nahe gebracht. Ich dagegen habe mich dir und meinem Erlöser Jesu Ghrifto aufs neue zum Gehorsam verpflichtet. Befestige in mir diese heilige Entschließung, nach deinem Wohlgefallen zu wandeln. Meine Schwäche und Gebrechlichkeit kennest du, Allnissender. Kräftige mich mit himmlischer Stärke zum Kampf gegen alle Versuchungen meines Herzens und der Welt, und mache mich immer aufmerksamer auf die Zucht deines Geistes. Bewahre mich doch davor, daß meine äußere Andacht nicht Heuchelei sey. und daß ich dir nicht mit falschem Herzen diene. Laß mich wachen und beten. Eegne mir besonders das heilige Mahl das ich feiern will. zum 9 Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.)


