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Nicht als ob wir an deiner väterlichen Güte zweifelten, bitten wir für sie; nicht als ob wir den Lauf deiner Gerechtigkeit hemmen, oder dei ner Allwissenheit und Weisheit Maßregeln des Verhaltens vorzeichnen wollten, bitten wir für fie; aber eben die Liebe, welche du uns für le bende Mitmenschen zum ersten und vornehmsten Gefeße machtest, dringt uns auch, diejenigen deia ner Vatergüte zu empfehlen, die unsere Dankbarkeit und Freundschaft noch jenseits des Grabes nicht vergessen kann. Eben jene Liebe, mit wel cher du felbst alle deine Geschöpfe umfassest, und die du besonders den mit deinem Ebenbilde ge= zierten Geistern bezeigest, läßt uns hoffen, daß du diese unsere Gebete als Ausdrücke unserer Zårte lichkeit und Liebe, als Beweise unserer Theilnahme am Wohl und Wehe anderer, mit Wohl gefallen aufnehmen werdest. Wie könnte dir auch, o mein Gott! eine gute Tochter mißfallen, wel che, hingelehnt aufs Grab ihrer Mutter, im weh. muthsvollen Andenken an ihren Verlust, ihre Seufzer und ihre Gebete aus der Tiefe ihres Herzens hervorstößt, um diese ihr so theure, so una vergeßliche Seele deiner ewigen Liebe zu empfeh ten, und so dem Gefühle ihrer tindlichen Sehna sucht Genüge zu leisten! wie könnte dir jener Bater mißfallen, welcher durch die heutige Feyer an das zu schnelle Hinscheiden seines Sohnes era
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