Druckschrift 
Neues Gebetbuch für aufgeklärte Christen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Cummin

18

Das Gebet gießt Ruhe und Zufrieden­heit, Troft und Freude, in unser Herz. Der Mensch, der sich niemals, oder gar selten, mit Gott beschäftiget, schwimmt wie auf einem Meere; er wird von allen Seiten bestürmt; er hat nirgends einen festen Ruhepunkt. Wer es sich aber einmal angewöhnt hat, seinen Gott immer gegenwärtig zu denken, der ist so zu sagen in dem Hafen der Sicherheit angelangt. Er legt auf die irdischen, ungewissen Güter keis nen zu hohen Werth, er sieht alles in seinem wahren Lichte, und in allem erblickt er seinen Gott, die Spuren der weisen Vorsicht, die alles zum Ziele leitet. Muß das nicht die Sorge für das Zeitliche måßigen? nicht den Genuß der Freude vernünftiger und unschuldiger mas chen? Wie ruhig, wie froh wird nicht unser Herz durch das unvertilgbare Bewußtseyn unsers Wohlverhaltens werden? Fühlt der Mensch schon Trost und Linderung in seinen Bekümmer nissen, wenn er sein Herz in den Schooß eines Freundes ausschütten kann, was muß er erst empfinden, wenn er wegen seinem An liegen mit Gott felbst, mit seinem ersten Freunde, mit seinem Vater, sprechen kann?