Druckschrift 
Morgen- und Abendopfer in Gesängen / von Johann Heinrich Wilhelm Witschel
(Dekan und Schul-Inspektor im Distrikte Gräfenberg und Pfarrer zu Igensdorf)
Entstehung
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' Der vernünftige Zweck der Gebete, so wie aller finnlichen

Religionsübungen im Allgemeinen, und zugleich das Höchste, was sie wirken können, ist religiöse Erbauung. Diese bes steht in Versinnlichung der Religionsideen für Phantasie und Herz, in einem dadurch gewirkten lebens digen Glauben, in einer Reinigung unserer Ems pfindungen und einer erhöhten Rührung fürs Gus te: Alles zu dem groffen moralisch: ästhetischen Endiweck der Difciplin unsrer Neigungen und der Beförderung einer freyen und leichten Harmonie derselben mit den Forderungen der moralischen Vernunft.

Dieß nämlich soll hier unter dem so oft gemißdeuteten Wort: religiofe Erbauung, verstanden werden. Aufs richtung des gefunkenen innern Menschen, Veredlung und Ers hebung der Sinnlichkeit zur zwanglosen Harmonie mit der Vernunft, sollte überhaupt der letzte, der höchste Zweck aller schönen und rührenden Künfte seyn. Jede sollte nach ihrem Vermögen und in ihrem Wirkungskreise dazu beytragen, daß der innere Mensch, der durch Künfteley und Verkünftelung getheilt und zertrümmert worden ist, sich selbst wieder aufbaue und zu einem friedlichen Ganzen vereine.

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Die Vernunft verlangt gehorfameunterthaner; die guten Künste bestreben sich, diese Unterthanen in liebende