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Erster Theil.
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Vom Worte Gottes.
und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, wenn Gott sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht; und weise Demuth ist's, zu glauben, was Gott spricht.
9. Erinnre mich hieran, wenn mich die Zweifel krånken, und lehre mich dabei zu meinem Heil bedenken, dort sen die Zeit des Schau'ns, und hier des Glaubens Zeit; dort wachse, wie mein Glück, mein Licht in Ewigkeit.
drum gieb, daß ich dein Wort, oft
und mit Andacht lese: das Wort,
das deinen Rath von unserm Heil
enthält. Dank sey dir für dies
Wort, den größten Schaß der Welt. 2. Erfülle mein Gemüth mit Ehrfurcht und Vertrauen, mit Lust und frommem Ernst dadurch mich zu erbauen. Du bist's, der in der Schrift zu meiner Seele spricht: o segne doch an mir, Herr, deinen Unterricht.
3. Mein Gott, vor welchem ich jest meine Hände fatte, gieb, daß ich allezeit dein Wort für Wahrheit halte; und laß mich deinen Rath empfindungsvoll verstehn, die Wunder am Geseß, am Wort vom Kreuze sehn!
4. Du, aller Wahrheit Gott, kannst mich nicht irren lassen. Untrüglich ist dein Wort; o, laß mich daraus fassen, so viel mein Heil verlangt. Du bist's, der Weisheit giebt, wenn man sie redlich sucht, und aus Gewissen liebt.
5. Gieb, daß dein kräftig Wort, o Gott, mein Herze rühre, und daß ich mir den Spruch oft zu Gemüthe führe, der mich vor andern rührt. D, stärke mich durch ihn mit Ernst und Munterkeit, das Gute zu vollziehn.
6. Um tugendhaft zu seyn, dazu sind wir auf Erden. Wer deinem Wort gehorcht, den läss'st du inne werden, die Lehre sey von dir, die uns die Bibel giebt: man lernt ihr Wort verstehn, wenn man es treulich übt.
7. Spricht sie geheimnisvoll, so laß mich dies nicht schrecken. Kein endlicher Verstand kann dich, Gott, ganz entdecken. Du bleibst unendlich hoch. Was mir dein Wort erklärt, nicht was mein Wig verlangt, ist meines Glaubens werth.
8. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm,
10. Find' ich in deinem Wort noch manche Dunkelheiten, so laß mich einen Freund, der mehr, als ich sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweih't, ein angefochtnes Herz hebt manche Dunkelheit.
11. Stets sey dein Wort mir werth! Es ist mein Glück auf Erden, und wird es einst noch mehr in jenem Leben werden. Nie irre mein Gemüth der Bibelfeinde Spott! die Lehre, die fie schmáhn, bleibt doch dein Wort,
o Gott!
Mel. Nun danket alle Gott.
& elobt feyst du, o Gott,
für deines Wortes Lehre! Gieb,
Bater, daß ich sie mit Undacht
fleißig höre. D, mache doch mein
Herz von Vorurtheilen rein und
laß dein Wort mein Licht auf
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meinen Wegen seyn.
2. Laß mich im Forschen doch die Wahrheit nie verfehlen, uno nie, was schädlich ist, für wahres Heil erwählen. OHöchster, leite selbst den forschenden Verstand, so wiro, was du mich lehrst, auch recht von mir erkannt.
3. Wie thöricht ist es doch, blos andern Menschen glauben! Das heißt,


