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2) Gebete und Andachten in Beziehung auf das heilige Abendmahl. Demüthigung vor Gott bey dem Andenken an Verfündigungen.
enn ich, o Gott, mit deinen liebreichen Befehlen meine Gesinnung und mein Verhalten ernstlich vergleiche, so sagt mir es mein eigenes Gewissen, daß ich vor dir nicht unschuldig bin. Und, wie könnte ich vor dir meine Versündigung verbergen, der du das Innerste meiner, Seele kennest, alle meine Wege weißt und mich so siehest, wie ich in der Wahrheit beschaffen bin. Ich habe freilich noch so manchesmal, mein Gott, mir das erlaubt, was dir doch nicht gefallen kann, und so häufig gerade das versäumt und unterlassen, was ich nach deinem guten Willen, selbst zu meinem eigenen Besten, håtte thun sollen. Mit inniger Beschamung meiner Seele empfinde ich dies, und wie niederschlagend würde diese Empfindung für mich seyn, mein Gott, wenn nicht deine barmherzige Gnas de, die du so stark und so heilig jedem aufrichtig seis ne Schuld Bereuenden durch Jesum versichert hast, noch mein Troft und meine Hoffnung wåre. Du verzeiheft, mein Vater, gern jedem seine Fehler, der mit sich selbst darüber von Herzen unzufrieden und auf wahre Besserung bedacht ist. Verzeihe mir denn auch die meini gen; denn es ist mein ganzer Ernst, besser zu werden und alles an mir abzulegen, was deinem Willen entgegen ist. Du hilfft gern denen, die sich bessern wols len, daß sie es können. Hilf denn auch mir mit deis nem guten Geiste, daß es mir mit dem Vorsatz wahrer und stets zunehmender Besserung gelingen möge, das mit die Absichten deiner Gnade an mir erreicht werden, und ich mich allezeit als den guten Menschen beweisen möge, dem es Freude ist, so zu denken und zu handeln, wie es dir gefällt; der getroft auf deinen Beifall rechnen kann, und der dann auch in deiner Liebe ruhig und selig ift. Erhöre mich, so wie du gerne jeden hörest, der nach deinem Willen bittet. Amen.
Kurzes


