Erster Theil. Vom Wesen Gottes
6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besißet, der Leben gibt und nimmt, der unsern Odem schüßet. Den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir. Willst du, so wird er Nichts. Du bleibest für und für.
7. Wer hat dich je gesehn? Wer kann im Fleisch dich sehen? Kein sterblich Auge reicht bis zu den Lichteshöhen, wo du voll Majestät auf deinem Stuhle thronst, und unterm frohen Lob der Himmelsheere wohnst.
8. Was wir, Unendlicher! von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen. Die Schöpfung zeugt von dir, und deines Sohnes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deinen Namen fund.
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9. Doch hier erkennen wir dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst der Vorhang weggenommen, der jetzt das Heiligste noch unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist.
10. Indes sei auch schon jetzt dein Ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein Lob von lallend schwachen Bungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein Lied im höhern Chor dich, großer Gott, erhöhn.
Univ, Bibl. Glassen


