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[Züllichau'sches Gesangbuch] : [nebst] Die Episteln und Evangelien auf alle Sonn- und Fest-Tage ... [und] Züllichau'sches Gebet-Buch, in welchem Morgen- und Abendsegen
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Gebet wider alles Böse.

starrigkeit, daß ich nicht wider mein eignes Gewissen das Böse liebe, die Fehler gering halte, die Warnung verachte, die Lafter lobe, mit der Bosheit mich rühme und also gar sterbe in Sünden.

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9. O großer Gott, vertreibe aus meiner Seele allen Hochmuth, Uebermuth, Verwegenheit und Eigensinn! Daß sich mein Herz nicht erhebe, daß ich mich nicht beffer dünke als Andre, daß ich meiner Geschicklichkeit nicht zu viel trane, daß ich mich nicht verlasse auf meine Gaben, daß ich mich nicht selber für klug halte, daß ich meine Gewalt nicht mißbrauche, daß ich nicht trachte nach hohen Dingen, daß ich nicht in ein fremdes Amt greife, mich nicht in Sachen menge, die mich nichts angehen, etwas vornehme, das mir zu schwer ist, oder dich um Etwas bitte, das nichts nüße.

10. Hilf, daß ich mich entschlage aller bösen Ge­danken, daß ich mich entreiße allen schändlichen Begierden, daß ich mich entbreche aller unreinen Lüste, daß ich mir abgewöhne alle unnüße Reden, daß ich mich hüte vor allem sündlichen Vornehmen.

11. Fluchen und schwören, rauben und stehlen, lügen und trügen, schmähen und lästern, heucheln und schmeicheln, faulenzen und müssiggehen, fressen und saufen, huren und buben, und was sonst deinem heiligen Willen zuwider ist, Fleischeslust, Augenlust, hoffärthiges Wesen, Verachtung deines Wortes, Ungerechtigkeit, Geiz, Neid, Mißgunst, Feindschaft, Ehrsucht, Falschheit, Liebe des Zeitlichen und dergleichen, das laß Alles fern von mir sein.

12. Laß mich, o himmlischer Vater, die Zeit meines Lebens nicht werden liederlich im Gemüthe, eitel in Ge­danken, unzüchtig in Worten, häßlich in Geberden, schänd­lich im Leben, hoffärthig in Kleidung, stolz im Herzen, sicher im Glück, wollüstig in guten Tagen oder verschwen­derisch, wenn ich genug habe.