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Gesang-Buch für die evangelischen Gemeinden im Fürstenthum Hildesheim nebst einem Gebet-Buche zur Kirchen- und Haus-Andacht : [nebst] Episteln und Evangelien auf alle Sonn- und Fest-Tage
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Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. 107

Heere anzurücken, mit welchem er, nach Verwüstung vieler Städte, in Jerusalem drang, die Juden in den Tempel einschloß und dem Kriege würde ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Ge­richten wären aufbehalten gewesen. So aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verrätherei zur Verzögerung, die Juden gewannen Zeit zur Gegenwehr und nöthigten sogar den Syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verluste zum Abzuge. Diejer anscheinende Vortheil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Muth. Die damals fast allge, meine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitele Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zu­rüstungen, wählte in Jerusalem Joseph, einen Sohn Gorions, nebst dem Hohenpriester Unanus, in Idumäa den Eleazar, und in Galiläa Josephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diese Geschichte hinter­lassen hat, zu Anführern, und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrentheils mit sehr großem Verluste an; wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten.

Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes ein­gedenk und setzten sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit.

Als der Römische Kaiser Nero den allgemeinen Aufstand der Jü­dischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasian, einem sehr erfahrenen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohne Titus mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst zwar 100,000 Mann versammelt; allein der Schrecken zerstreuete solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus war genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen sich in die Festung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung ers obert, und 40,000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus gerieth felbst in die Gefangenschaft der Römer, erhielt aber durch die Fürsprache des Titus und weil er dem Vespasian die fünftige Gelangung zur kaiser­lichen Würde vorher sagte, sein Leben und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa, wobei viele tausende erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverei geführt wurden.

In Jerusalem und den übrigen Gegenden des Jüdischen Landes häufte sich inzwischen das größte Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg dran­gen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewalt­thätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen, und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Ananus suchte zwar in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giscala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20,000 Jdumäer in die Stadt zog: so ward die Partei des Ananus überwältiget und dieser Hohe­priester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibt, nebit 12,000 der vornehmsten Einwohner getödtet.

Vespasian eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutver­