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Geschichte vom Leiden, Sterben
König; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.
Pilatus
Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll. Aufdaß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und sie saßen allda und hüteten sein; solches thaten die Kriegsknechte, und das Volk stand und sahe zu.
Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jefus feine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib! siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund' an nahm sie der Jünger zu sich.
Die aber vorüber gingen, lästerten ihn und schüttelten die Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen, hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aeltesten, sammt dem Volke, und sprachen: Er hat andern geholfen und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christ, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuze, aufdaß wir's sehen und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Daffelbe rückten ihm auch auf die Mörder, die mit ihm gekreuziget waren, und schmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber.
Aber der Uebelthäter einer, die da gehängt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so bilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind, dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich! ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, Lama Asabthani! Das ist verdolmetschet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das hörten, sprachen fie: Er rufet den Elias. Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Effig und Ysopen und steckte ihn auf ein Rohr und hielt's ihm dar zum Munde und tränkte ihn und sprach mit den andern: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihn herab nehme.


