Druckschrift 
Vollständiges Christkatholisches Gebethbuch / von Michael Hauber, Königl. Bayerischen Hofprediger und Hofkaplan. Mit Bewilligung des Fürstbischöfl. Ordinariats zu Wien, d. Fürstbischöfl. Seckauer Ordinariats zu Grätz usw. [d. bayer. Bistümer]
Entstehung
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für die Verstorbenen.

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vor Augen habe, und sich täglich zum Sterben rüste. Ja, o mein Gott! ich will weise werden, und meine bisherige Thorheit, womit ich sorglos dahin lebte, als dürfte ich nie sterben, im Ernste ablegen. Ich will von nun an Alles meiden, was mir einmahl das große und entscheidende Ereige niß meines Lebens, den Tod, furchtbar machen, oder auch nur erschweren könnte. Im Ernste will ich meine unordent­liche Anhänglichkeit an diese Erde bezähmen, und in heilis ger Liebe Dir leben.. Standhaft will ich die Lüfte der Welt verschmähen, in allen Tugenden mit Eifer vorwärts schreis ten, und in strenger Buße, in Verläugnung meiner selbst, und in gottergebener Duldung alles Widrigen um Deinet­willen ausharren dann wird mir der Tod nicht mehr schrecklich noch schwer seyn; vielmehr werde ich ihm mit Muth und heiterer Zuversicht entgegen gehen. So oft ich in Zukunft die Sterbeglocke höre, will ich denken: So wird sie auch mir einmahl, und vielleicht bald, zu Grabe geläutet.

Wenn die Morgenstunde kommt, so will ich mit solchen Vorfäßzen den Tag beginnen, als erlebte ich den Abend nicht mehr. Und wenn die Abendstunde heranrückt, so will ich es nicht mehr wagen, mir noch die Morgenstunde zu verspre­chen; dann kann der Tod mich nicht überraschen- und wenn der Menschensohn zu einer Stunde kommt, wo ich es am Wenigsten erwarte, so findet Er mich auch da nicht un vorbereitet.

O Herr! lehre mich bedenken, daß ich ster= ben muß, damit ich weise werde.

Jetzt ist die kostbare Zeit des Wirkens; jetzt sind die Tage des Heiles; jetzt ist die Zeit der Gnade; jetzt muß der gute Christenkampf gekämpft, das schöne Ziel erstrebt, die Krone des Lebens errungen werden; denn es kommt- ach, viels leicht schneller, als ich es denke- die Nacht des Grabes, in welcher Niemand mehr wirken kann. Aber wehe mir,

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wenn ich mir dort einmahl vorwerfen müßte, daß ich diese Zeit der Heimsuchung, in der ich mir Schäße sammeln konnte für die Ewigkeit, gewissenlos verschleudert und bloß der Sorge um das Zeitliche gewidmet hätte! Oder maß ich es mir nicht wirklich jetzt schon vorwerfen? O des Leichtsinnes und der Gleichgültigkeit gegen mein wahres­mein einziges Heil! Vielleicht, o mein Gott! vielleicht

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