100
den Brunnen der himmlischen Gnade selbst verstopset habe; dennoch tröstet mich dein mütterliches Herz, welches noch keinen verlassen hat, und so wohl das Heil der Sünder als das Wohl deiner Gnaden Kinder sich angelegen sein läßt. Wenn du noch bei uns auf der Welt wäreft, und mit leiblichen Augen ansehen würdest meine betrübte Lage, so würde es deiner königlichen Milde unmöglich sein, mich in meinem Leide ungetröstet zu lassen; wieviel mehr wirst du jetzt dich meiner annehmen, da du nicht allein mein Kreuz in Gott flar siehst, sondern auch viel mächtiger und ge neigter bist, allen Bedrängten zu helfen. Bin ich ein unwürdiger Sünder, so weißt du dennoch genug Mittel, mich als ein irrendes Schäslein wiederum zu dem Wege des Heils zu führen. Habe ich zu deiner Ehre bisher nichts würdiges ver richtet, so ist doch dieses mein fefter Entschluß, hinfür dich als meine wertheste Mutter täglich zu ehren, und meinen Lebenswandel also einzurichten, daß ich möge würdig werden, den schönen Namen eines Walburgischen Schuß Kindes zu führen. Sei mir denn, o liebreiche Jungfrau, rine treue hilfreiche Mutter! Bedinke, was du während deines irdischen Lebens selbst uns gelehret, wie man in der Vedrängniß von ganzem Herzen sich zu Gott wenben, und mit kindlichen Vertrauen den gewünschten Trost erwarten soll. Sieh! von ganzen Herzen vertraue ich auf Gott und deine Fürbitte und werde nicht ablassen zn bitten und zu hoffen, bis Gott endlich die erfreuliche Gnade seines himmlischen Segens über mich sendet und ich in schuldiger Danksagung deine mächtige Fürbitte beständig preisen möge. Amen.
〃


