Erster Theil
Von der
Morgen- und Abendandacht.
Erstes Kapitel.
Von der Morgenandacht.
S. 1. Nüßlichkeit des Morgengebets.
Es ist einem Christen, welcher den Tag verdienstlich vor Gott zubringen will, fast alles daran gelegen, daß er den Tag gut an fange. Denn so wie der Morgen, so ist gewöhnlich der ganze Tag. Wird der Morgen nicht mit Gott angefangen, das Morgengebet versäumt, so sind die den Tag hindurch vorfallenden Werke oft umsonst, weil man da leichter aus Gewohnheit, als Gott zu Ehren arbeitet, wofür wenig oder gar kein Lohn im Himmel, auch wenig Glück und Segen auf Erden zu hoffen ist; dann ist also der ganze Tag verloren. Deswegen soll das Morgengebet durchaus nicht unterlassen werden, weder aus Nachläßigkeit, noch wegen vies ler Geschäfte. Welches Geschäft ist wichtiger, als für das Seelenheil zu sorgen! Kannst du, mein Christ, kein langes Morgenebet verrichten, so verrichte ein kurzes. Während des Ankleidens bast du wenigstens Zeit, dein Gemüth zu erheben. Hast du nach dem Ankleiden nicht Zeit, noch etwas im Gebete zu verweilen, so bete in der Stille heimlich bei deinen ersten Tagesgeschäften, wie du nachher Anweisung in diesem Buche finden wirst.
§. 2. Unterricht für den Morgen.
Wenn du des Morgens erwachest, so rufe mit Andacht Jesum an, steb züchtig auf, bezeichne dich mit dem heiligen Kreuzzeichen, und sprich:
Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu, der mich mit seinem kostbaren Blute erlöset hat, stehe ich auf. Er 1


