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Der heilige Gesang bei dem Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche : nebst den durch's Jahr gebräuchlichen Andachten, Gebethen und Litaneien
Entstehung
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Die Nächte bringe ich mit Wachen zu, und bin gleid) einem Sperling, der einsam auf dem Dache sitzt.

Meine Feinde schmähen mich unabläßig, und die mich vorhin lobten, stoßen nun nichts als Flüche wider mich aus; weil ich vor aller Speise einen Efel empfinde, und meinen Trank mit Thränen vermische durch das stete Weinen um deines Zorns und deiner Ungnade willen, der du mich erhoben und wieder zurückgestoßen hast.

Meine Tage fliehen dahin wie ein Schatten, und ich selbst verdorre wie abgeschnittenes Gras. Du aber, o Herr! bist ewig, und dein Gedächtniß kleibt für und für.

Darum wirst du dich meiner auch bald erbarmen, weil die Zeit der Erbarmung noch ist. Ja, herr! noch ist sie da, die glückselige Zeit. Ach! eile doch mit deiner Hülfe, ehe ich sterbe und ewig verloren gehe.

Mich verlanget sehr nach deiner Gnade; erbarme dich und hab' Mitleiden mit deinem elenden Knechte! Denn noch immer bast du bisher auf das Gebeth der Demüthigen geachtet, und ihr Flehen niemals verworfen.

Lehre mich oft bedenken, wie wenig meiner Tage sind, und nimm mich nicht unbereit und gleichsam in der Hälfte meines Lebens hinweg.

Indessen werden meiner Jahre immer weniger, da hingegen die Deinigen, o Herr! währen für und für.

Du hast im Anfange der Zeit die Erde gegründet und die Himmel sind deiner Allmacht Werke. Sie werden vergehen, aber du bleibest; sie werden vers alten wie ein Kleid, sie werden sich umwenden lassen wie ein Gewand, und sich verändern auf den Wink deines Willens; du aber bist allzeit eben derselbe, und deine Jahre nehmen nicht ab.

Alle deine Diener und Auserwählten werden bei dir wohnen, und deine Huld u. Liebe genießen in Ewigkeit.