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Der heilige Gesang bei dem Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche : nebst den durch's Jahr gebräuchlichen Andachten, Gebethen und Litaneien
Entstehung
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Ach Herr, all mein Verlangen liegt ja vor dir, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.

Mein Herz ist ohne Ruhe, alle meine Kraft ist hin, und das Licht meiner Augen erloschen.

Meine Freunde und Bekannte sind wider mich; und die sonst um mich waren, stehen jetzt von ferne.

Feinde, die meine Seele suchen, brauchen Gewalt, und die mir Schaden zuzufügen trachten, reden nichts als Böses, und sinnen den ganzen Tag nur auf mein Verderben.

Bei dem allen aber, bin ich wie ein Zauber, der nicht hört, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut; ich bin gleich einem, der keine Widers rede in seinem Munde hat.

Denn auf dich, Herr! hoffe ich; du bist mein Gott und Seligmacher, du wirst mich erhören und nicht zu lassen, daß meine Feinde über mich frohe locken.! wenn ich auch nur im geringsten auf's neue strauchelte; großer Dinge würden sie sich wie der mich berühmen.

Inzwischen bin ich zum Leiden bereit, und sehe die Quelle meines Schmerzes, die Sünde, allzeit vor mir. Denn warum sollte ich es verbergen, daß meine Missethaten es sind, die mir so vielen Kume mer machen.

Ach! wie elend bin ich, meine Feinde hingegen leben wohl, und erhalten beinahe über mich die Oberhand. Die mich ohne Ursache hassen, haben sich sehr vermehrt; und die Gutes mit Bösem vers gelten, reden übel von mir, weil ich jetzt dem Gu ten nachgehe.

Herr, mein Gott, verlaß mich nicht, weiche nicht von mir! Sende mir Hülfe, Herr, du Gott meie nes Heils!