Druckschrift 
Maria, meine Zuflucht und mein Trost! : ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ... und im Anhang den Monat Mariä [Mai] enthaltend / gesammelt von Michael Sintzel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

der allerseligsten Jungfrau.

35

lichsten war, um von diesem heiligen Feuer entzündet zu wer­ben; daher rief auch der heil. Hieronymus aus: Tie Liebe Gottes entzündete sie ganz und gar, so daß sich nichts vorfand, was die Reinheit ihrer Empfindungen verletzt hätte; in ihr fand sich fortwährender Erguß der Liebe, eine Trunkenheit vor Uebermaß der Liebe. Daher war das Herz Mariens, wie es im Hohenliede heißt, ganz Feuer und Flamme: ,, Ihr Licht," ( die Gluth ihrer Liebe) ist ein ,, feuriges und flammendes Licht." Es ist, wie der heil. Anselmus bemerkt, feurig, weil es inner­ich durch die Liebe brennt, und flammend, weil es sich äußer­lich, durch die Uebung der Tugenden zu erkennen gibt. So konnte Maria, als sie noch auf Erden war und Jesum auf den Armen trug, ausrufen:" Ich bin ein Feuer, das da Feuer trägt," und in einem andern Sinne, als jene Frau, die, nach dem Zeugniße des Hippokrates, wirklich Feuer in der Hand getragen hat. Der heil. Ildefons sagt, daß der heilige Geist Maria, wie das Feuer das Eisen, ganz durchglüht habe, so daß man in ihr nur die Flammen dieser heiligen Gluth erblickte, daß man nur das Feuer der Liebe Gottes an ihr verspürte. Auch behauptet der heil. Thomas von Villanova, daß der Dornenbusch, den Moses brennen sah, ohne daß er sich ver. zehrte, ein Vorbild Mariens gewesen sei, und der heil. Bernard sagt, daß der heil. Johannes in der Offenbarung Maria mit der Sonne bekleidet erblickt habe: ,, Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet," weil Maria durch die Liebe so eng mit Gott verbunden war, daß es scheint, ein bloßes Geschöpf könne sich nicht inniger mit Gott vereinigen.

Der heil. Bonaventura behauptet, daß Maria nie von der Hölle versucht wurde; denn, sagt er, gleichwie die Fliegen vor einem großen Feuer fliehen, so wurden die Teufel vor dem Herzen Mariens, das eine lautere Liebesflamme war, vertrie­ben, so daß sie es nie wagten, sich ihr zu nähern. Dasselbe sagt Richardus: Die allerfeligste Jungfrau war den Mächten der Finsterniß furchtbar, so daß sie es nie wagten, sich ihr zu nähern und sie zu versuchen; denn die Liebesflammen trieben sie zurück. Maria offenbarte der heiligen Brigitta, daß sie hier auf Erden keinen andern Gedanken, keinen andern Wunsch, keine andere Freude hatte, als Gott allein. Deßhalb lebte sie auf Erden in einer fortwährenden Betrachtung ihres Gottes, und die Liebesafte, die sie erweckte, waren, nach dem Pater Suarez, unzählbar. Doch mir gefällt der Ausspruch des from­men Bernardin von Bustis noch besser; denn derselbe behaup

3*