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Kurze Lebensgeschichte
die Frage, ob er etwas verlange, antwortete er:„ Wachet mit mir, und stehet mir bei; denn ich werde sterben." Noch konnten sie kein Todeszeichen an ihm erblicken. Nach einer Weile fragten sie ihn wieder, ob er nichts verlange, und er antwortete mit schwacher Stimme: Legt mich doch von der rechten auf die linke Seite." Sie brachten das Licht herbei, und wollten ihm diesen Willen erfüllen. Allein sein Angesicht erblaßte nun plötzlich, wurde mit faltem Schweiße bedeckt, und verkündete die Nähe des Todes. Er lag in der wirklichen Todesangst. Einer der wachenden Patres, den er vorzüglich immer lieb hatte, beugte sich über ihn, und sagte ihm leise in's Ohr:„ Du wünschest, wir möchten dich auf die andere Seite legen: aber ich fürchte, daß wir dir dadurch den Tod beschleunigen könnten. Getrost, es ist der letzte Tropfen aus dem Leidensfelche, den der Herr dir zu trinken gibt. Schau, auf wie harter Liegerstätte dein Erlöser für dich gestorben ist." Bei diesen Worten blickte er ihn starr an, und dann wieder auf das Krucifir hin. Er konnte nicht mehr sprechen, aber seine Miene sagte es deutlich, daß er aus Liebe Gottes gern noch mehr leiden wollte. Die bei ihm wachenden Priester fingen nun an, für den Sterbenden zu beten, und er lag da, hielt in der rechten Hand ganz fest die geweihte Kerze, und seine linke ruhte auf dem Kreuze, das er nun seit drei Tagen um den Hals trug, und seine Augen waren steif auf das Krucifix vor ihm gerichtet. Aufmerksam hörte er dem frommen Gebete zu, kein Zeichen von Unruhe gab er von sich. Noch etwa eine Minute vor seinem Tode gab ihm die Liebe zum Heilande die Sprache wieder. Mit gebrochener, doch vernehmbarer Stimme sprach er einigemal: Jesus!" zaickte seine Oberlippe, und verschied. So starb dieser reine, fromme Jüngling, Nachts zwischen zehn und eilf Uhr den zwanzigsten Brachmonat, nachdem er das Alter von drei und zwanzig Jahren, drei Monaten und drei Tagen erreicht hatte.
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Kaum war der Heilige heimgegangen, als sein Zim mer mit Hastigkeit aller geringen Habseligkeiten beraubt


