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Das Gebet macht unsere Erkenntniß von den Vollkommenheiten Gottes reicher, würdiger, lebendiger; es befördert demnach unsere Tugend, unsere Vollkommenheit, unsere Glückseligkeit. Und da es der Wille Gottes ist, daß wir heilig, vollkommen, glückselig sein sollen: so ist ihm gewiß auch unser Gebet angenehm, welches das wirksamste Mittel zu diesem heiligen Zwecke ist. Freilich gibt uns Gott vermöge seiner Güte Alles, was wahrhaft gut für uns ist, auch ohne daß und noch ehe wir darum bitten; allein wir wollen auch durch unser Gebet nicht sowohl auf Gott, als vielmehr nur auf uns selbst wirken.
Wenn wir z. B. bei Gott um die Vergebung unserer Sünden bitten, so wollen wir ihn durch unser Gebet nicht ändern, erweichen, versöhnen, als wenn er wie ein Mensch über uns zürnte, sondern, weil wir durch das Gebet und die Rückkehr zu Gott zur Erkenntniß unserer Fehltritte gebracht, von unserer Bosheit genesen, so werden wir der sich immer gleichen Güte Gottes nur wieder fähig und würdig.
Auf die Frage: um was man beten soll? ist jetzt die Antwort auch ganz leicht: Um das wahrhaft Gute sollen wir bitten. Aber wie mag dieß der kurzsichtige Mensch erkennen, der so oft das Böse für gut und das Gute für böse hält? Darum müssen wir in


