Erstes Kapitel.
Wovor soll der studirende Jüngling sich besonders hüten?
§. 1. Vor dem Müßiggange.
Du bist, christlicher Jüngling, nicht zum Tändeln und Spielen da. Deine natürliche Lebhaftigkeit, dein rascher Schritt, dein kühnes Streben, dein unerschrockenes Handeln beweisen klar, daß der weise Schöpfer in dich einen Drang nach Arbeit gelegt hat, den du nie natürlicher entwickeln kannst, und nie mehr entwickeln mußt, als in deiner Jugend. Widerstehst du diesem Drange und gibst du dich dem Müßiggange hin, so zeigst du zur Genüge, daß dir eine der schönsten Eigenschaften des jugendlichen Alters abgehe, und daß du an einer Krankheit leidest, worüber du erröthen solltest. Du betrittst die breite Bahn des Verderbens; denn der Müßiggang ist aller Lafter Anfang. Der Geist fann nämlich nicht ruhen, er muß seine Kräfte äußern; geschieht es nicht in Dingen, die ihm nüklich, so geschieht es in solchen, die ihm schädlich sind. Du wirst daher, wenn du dich nicht gewöhnst, thätig zu sein für das Gute, geschäftig sein für das Böse. Dein Herz wird ein offenes Thor sein, in welches ohne Hinderniß der Seelenmörder einzieht: ein Boden, wo Leidenschaften und böse Triebe am besten gedeihen: ein Sumpf, worin das häßliche Gewürm der Sünde und die giftigsten Außdünstungen des Lasters sich erzeugen. Kurz die


