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Das Gegenteil vom Laster der Hoffart ist:
die Tugend der Demut.
( 6) Ein demütiges Kind will nicht mehr sein und gelten, als es ist. Es geſteht seine Fehler ein und will sie nicht verdecken, wegleugnen oder entschuldigen. Auf Schönheit, Kleider, Geld, Ansehen bildet es sich nichts ein; es weiß, daß dieses alles vor Gott nichts gilt, daß es deshalb um kein Haar besser ist als andere. Die guten Eigenschaften, welche es wirklich an sich hat, überschätzt es nicht. Es weiß und bekennt es, daß es dieselben nicht aus sich hat, sondern nur durch die Hilfe Gottes. Es will nicht dafür gelobt sein, es redet nicht davon, es verbirgt sie vielmehr und gibt Gott allein die Ehre. Ein demütiges Kind verachtet andere nicht; es will lieber andere Kinder für besser halten, als es selber ist; selbst wenn es andere große Sünden thun sieht, denkt es: Hätte der liebe Gott andern so viele Gnaden gegeben, wie mir, dann würden sie schon weitaus besser sein, als ich jetzt bin. Ein demütiges Kind erträgt mit Geduld Schimpf und Strafe, auch wenn es dieselben nicht verdient hätte.


