Morgengebethe.
der Mensch, wie nach einer neuen Schöpfung, sich wieder seines Daseyns bewußt, da denkt er so leicht an seinen rheber und an sein ganzes Berhältniß zu Ihm, an alles was er Ihm zu erweisen, Ihm zu verdanken, von Ihm zu begehren und zu erwarten hat. Darum, o Christ! be trachte das Morgengebeth als eine unerläßliche, heilige Pflicht, als eine für deine Menschennatur und Christeneigenschaft höchst ehrenvolle und nüßliche Handlung; erhebe gleich beim Erwachen deine Seele und deine Hände zu Gott deinem Erschaffer und Erhalter. Heilige auf diese Weise zu einem Ihm wohlgefälligen Frühopfer die Erst linge deiner Gedanken, Worte und Werke eines jeden Tages.
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Willst du den Tag in Unschuld und Tugend zubringen, so fange ihn mit Gott, im glaubenvollen Gebethe zu Ihm an. Geht dein Gebeth allen deinen Geschäften voraus, indem du eine der weisesten Lebensvorschriften befolgest, nämlich die: Bethe und arbeite, so versetest du dich dadurch in eine nähere Berbindung mit Gott, ohne Desſen Segen alle deine Unternehmungen zu deinem wahren Glücke nichts beitragen können. Mit Gott fange demnach an. Du wirst Manches thun oder unterlassen, Manches ganz anders thun, wenn du am Morgen bei'm Gebethe deine Pflichten erwogen und Gott um Beistand und Gnade zur Erfüllung derselben gel ethen hast.
Wünschest du überhaupt aufrichtig christliche Gesinnungen anzunehmen oder zu bewahren, und darin zur Tugend und Glückseligkeit voranzuschreiten, willst du als Bater, Mutter, Erzieher, Lehrer und Vorgesetzter den Deinigen dieselben Vortheile verschaffen, so mache es dir zur löblic chen Gewohnheit, die Morgenandacht, allein oder gemeinschaftlich, mit wahrer christlichen Frömmigkeit täglich zu verrichten. Von der Treue in Beibehaltung dieses schönen Gebrauches wird nicht nur dein Erstarken in der Tugend


