20
Erste Abtheilung.
4. Und diesen gott sollt' ich nicht ehren, und ſeine güte nicht verstebn? 29. Wie, Die du mir, herr,
Mel. Sey lob und ehr' dem höchst.: c. viele frenden dank ich
Er sollte rufen, ich nicht hören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will' ist mir in's herz geschrieben; Sein wort bestärkt ihn ewiglich; Gott soll ich über alles lieben, und meinen nächsten so, wie mich.
wie er.
5. Dies ist mein dank, dies ist sein wille: Ich soll ganz liebe seyn, So lang' ich dies gebot erfülle, Stell ich sein bildniß in mir her. Lebt seine lieb' in meiner seele, So treibt sie mich zu jeder pflicht, Und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die fünde nicht.
6. O gott, laß deine güt' und liebe Mir immerdar vor augen seyn. Sie stärk in mir die guten triebe, Mein ganzes leben dir zu weihn: Sie tröste mich in noth und schmerzen, Sie leite mich zur zeit des glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die furcht des legten augenblicks.
verliehen! Und wie viel sünden hast du mir Aus gnaden nicht verziehen! Gott, voll erbarmung und geduld, Auch bei der mir verborgnen schuld Währt ewig deine liebe.
2. Bedenk ich, schöpfer, deine macht, Blick ich in jene ferne, Und überseh des himmels pracht Und sonne, mond und sterne; so bet ich dich voll ehrfurcht an. Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmeſt? 3. Dein auge schaut auf ihn herab; So geht er nicht verloren. Nicht für die welt, nicht für das grab Ist er allein geboren. Die welt vergeht mit ihrer lust; Der du den willen gottes thust, Dein glück soll ewig dauern.
4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schlafen gehe; Denn du, mein vater, kannst verleihn, Was ich von dir erflehe. Drum seufz' ich findlich stets zu dir: Herr, was mir nüßet, schenke mir Um deiner güte willen.
i. Geduld und Mel. Ein lämmlein geht und 2c.
30.& etreuer gott, wie viel geduld Beweisest du uns armen! Wir häufen leider unsre schuld; Du aber dein erbarmen. Was ist des menschen lebenslauf? Er ist verderbt von jugend auf, Und dem gesetz entgegen; Und gleich wohl, vater, suchst du ihn Langmüthig davon abzuziehn, Zur beßrung zu bewegen.
Langmuth Gottes.
von zeit zu zeit, Verziehest voll barm
berzigkeit, Ibn gänzlich abzubauen; Du wartest sein mit größter treu, Und hörst, damit er fruchtbar sey, Nicht auf, an ihm zu bauen.
2. Der menschen elend jammert dich; Selbst wenn sie sich verstocken, So suchst du sie doch väterlich Durch huld zu dir zu locken. Wie lange sahst und riefest du nicht ehmals deinem volke zu, Damit es sich bekehrte! Wie trugst du nicht mit gütigkeit Die erste welt so lange zeit, Eh' sie die fluth verheerte.
3. Noch giebst du sündern zeit und raum, Der strafe zu entgehen; Du läßt den unfruchtbaren baum Nicht ohne pflege stehen; Du schonest sein|
4. Langmüthigster! so große buld Bezeigst du frechen fündern; Und o! nicht weniger geduld Hast du mit deinen kindern; Sie werden ja, weil fleisch und welt Hier ihnen häufig nege stellt, Oft sicher, matt und träge; Sie straucheln, sie vergehen sich, Und fehlen oftmals wider dich, Auf blind gewähltem wege.
5. Da warnst du sie vor der gefahr, So oft sie irre gehen; Reichst ihnen hand und stärke dar, Von sünden aufzustehen; Du trägest sie mit vaterbuld, Bist willig, ihre fündenschuld Durch christum zu vergeben: Giebst ihnen neue tugendkraft, Und nach vollbrachter pilgerschaft Ein ewig freudenleben.
6. Laß diese langmuth und geduld,


