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Evangelische Kirchenlieder nach alter Lesart und Singweise : mit Responsorien für den Altardienst, Wechselgesängen, ausgewählten geistlichen Volksliedern und Psalmen und einem Beicht- und Communionbüchlein
Entstehung
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Beicht- und Communion- Büchlein.

Die Selbstprüfung.

Sprich: Endlich einmal, o Seele, mußt du genau erforschen, wie dit beschaffent bist, und wie du mit deinem Gott stehst. Endlich einmal begib dich in die Stille! Schone dein selbst nicht! Verhehle, beschönige keine deiner Sünden! Thorheit wäre das vor Gott, dem Allwissenden, dem Herzenskündiger, dem Heiligen und Gerechten. Betrüge dich doch ja selbst nicht: Gott kannst du nicht betrügen. Und weil nur Gottes heiliger Geist dir zu einer wahren, vollständigen Selbsterkenntniß verhelfen kann, so wollest du also sprechen und beten:

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Herr Gott, heiliger Geist, stehe mir mit deiner Gnade bei: Du hast es mir in das Herz gegeben, daß ich meine Sünden bereuen, beichten und bessern will. So erinnere mich denn an Alles, was ich gesündigt habe; gieße mir einen großen Abscheu vor meinen Sünden in das Herz; schenke mir den ernstlichen Vorsak, mich vollkommen zu bessern, und gib, daß ich meine Schuld so aufrichtig, so demüthig, so reuevoll und flehentlich bekenne, daß ich aus dem Munde deines Dieners wahrhaft deine Verzeihung erlange, deiner himmlischen Gnade aufs neue mich getrösten kann.

Lies darauf den 139. Psalm andächtig bis ans Ende.

Dann wirf dich nieder vor deinem Gott und Heiland und erforsche dein Herz nach Anleitung der heiligen zehn Gebote Gottes.

Erste Tafel.

Liebst du Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe und aus allen deinen Kräften?

I. Hier stehst du vor dem ersten Gebot. Sprich, liebe Seele, hast du es befolgt: du sollst keine anderen Götter haben neben mir? - Hast du nie vor andern Gözen gekniet? vor dem Mammon? Hoffart? Weltlust? Fleischeslust?- Hast du niemals dich selbst, Vater oder Mutter, Weib oder Kind, Freunde oder Wohlthäter, Fürsten oder Gewaltige zu deinen Gögen gemacht, sie mehr geliebt als Gott?- Hast du Gott, den Heiligen und Gerechten, stets gefürchtet?- ihm stets vertraut? in aller Trübsal all dein Hoffen nur auf ihn gesetzt?

II. Und den Namen deines Gottes, hast du ihn nie unnüglich geführet?- nie durch gedankenloses Aussprechen desselben dich versündigt?- Bist du kein Flucher?- Führst du nicht leichtsinnige