132 IX. Gebete.
daß in mir von Natur nichts Gutes, sondern eitel Sünde wohnt und daß dieselbe angeborne Sünde mich leider oft zu Falle bringt in wirklichen Sünden mit Gedanken, Worten und Werken. Ich erkenne und bekenne auch, daß ich den bösen Lüsten meines Fleisches nicht mit allem Fleiß widerstrebe, sondern leider oft die Sünde in mir herrschen lasse und dadurch den heiligen Geist betrübe; ja, wenn ich gleich einen guten Vorsatz habe, so hanget mir doch das Böse an, daß ich zum Guten unwillig, kalt, träge und ver⸗ drossen bin, zum Bösen aber leider allzu willig. Der Glaube ist schwach, die Liebe ist kalt. Ich erkenne auch und weiß, daß derselben meiner Sünden Sold ist Gottes Zorn und der ewige Tod, deshalb gereuen mich meine Sünden und sind mir leid. Aber dennoch muß ich dir klagen, daß ich dieselben, wenn ich sie gleich erkannt, mir nicht lasse so leid sein, wie du es, lieber Gott, von mir haben willst. Weil aber Jesus Christus in die Welt ge⸗ kommen ist, die Sünder selig zu machen und du, mein frommer, treuer Gott, sprichst: So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er sich bekehre und lebe; so kehre und wende ich mich in wahrer Buße durch rechten Glauben zu meinem lieben Mittler und Er⸗ löser Jesu Christo und in ihm zu dir und bitte dich, mein himmlicher Vater, du wollest mir aus Gnaden um des⸗ selben, deines Sohnes willen, alle meine Sünde vergeben und wollest durch deinen heiligen Geist wahre Buße, rechten


