LX. Gebete.
1. Um Selbsterkenntnis. Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege, denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest. Du bist ein Herzenskündiger, o Gott, und vor deinen Augen ist alles, auch mein Herz und Leben bloß und entdeckt. So lehre doch auch mich, daß ich mich selbst erkenne, und offenbare mir, wie es mit mir steht. Herr, behüte mich vor Selbstgerechtigkeit und thö⸗ richtem Selbstbetruge und falschem Trost. Gieb du mir rechte Augensalbe und lehre mich erkennen die geheimen Sünden meines Herzens und die verkehrten Neigungen meiner Seele. Stelle mir vor die Seele die vergangenen Zeiten und die Wege, die ich gewandelt und laß mich im Licht deines Wortes erkennen, was mir fehlt und wie viel⸗ fältig ich von dir und deinem heiligen Willen abgewichen


