2 Bestimmung des Menschen,
6. Nicht bloß für diese kurze Zeit riefst du mich in dies Leben, zu Freuden einer Ewigkeit soll sich mein Geist erheben; und wird auch gleich der Leib zu Staub, so bleibt er nicht des Grabes Raub; du wirst ihn auferwecken.
7. Vom Himmel kam, ge⸗ sandt von dir, dein Sohn zu uns auf Erden; er kam und ward ein Mensch wie wir, der Menschen Heil zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt, wie ernstlich durch ihn selbst belehrt, der Menschheit Wert zu schätzen!
8. Und diese Würde zu entweih'n, sollt' ich gleich Tieren handeln, der Sinn⸗ lichkeit ergeben sein, nicht rein und heilig wandeln? Fern sei ein solcher Sinn von mir! Bewahre mich, mein Gott, dafür, daß ich mich so nicht schände!
9. Gib, Vater, daß ich allezeit auf mein Gewissen achte, nach Weisheit und nach Frömmigkeit mit allem Eifer trachte, dich liebe und mich deiner freu' und so des Vor⸗ zugs würdig sei, den du mir
hast verliehen!
10. Stets will ich nach Voll⸗ kommenheit mit allem Eifer trachten und mich, weil Sünde mich entweiht, zu hoch für Sünden achten. Nur wer nach diesem Adel strebt und seines Vorzugs würdig lebt, kann sich der Menschheit freuen.
Balth. Münter, 1735—1793.
Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe.
2. Wie wichtig ist doch der
Beruf, den du mir, Gott,
gegeben! Als einst mich deine
Liebe schuf, da schuf sie mich
zum Leben; zum Leben,
welches ewig währt, wo uns
kein Leiden mehr beschwert, willst du mich hier erziehen.
2. Nicht hier ist unser Vaterland, es kommt ein höh'res Leben, wo du uns wirst mit milder Hand des Himmels Glück einst geben, das uns nicht Zeit, nicht Zufall nimmt; hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dessen wert zu machen. ö
3. O, laß mir doch dies große Ziel durch nichts ver⸗ rücket werden! Was hilft's, wenn ich auch noch so viel von Gütern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust gewinn,
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