VI Zur Einfuͤhrung
licheren, weniger strengen Andachtsliedern getrennt. Damit soll der 1
Verwendung unpassender Lieder zur Meßfeier vorgebeugt werden. Die leicht sich einpräͤgenden Wechselgesänge erleichtern das Singen bei Opfer⸗ und Kommuniongang; sie eignen sich auch für Abend⸗ andachten. Entspricht die deutsche Vesper in etwa dem priesterlichen Stundengebet, dann die Volksandacht der Betrachtung. Sie ist vor allem nach den psychologischen Gesetzen des Volksgebetes ge⸗ staltet. Die Aktivität der Gläubigen ist daher auf einige öfter wieder⸗ holte Gebetsworte beschräͤnkt; inhaltlich aber soll die Volksandacht tiefer in das Gedankengut der Liturgie und Glaubensverkündung einführen.
4. Vollziehbarkeit des sprachlichen Ausdruckes für den heutigen Menschen. Statt eines oft überschwenglichen, unwahren Gebetsstiles früherer Zeit wurde nach einfacherem Ausdruck gestrebt. Gebete und Lieder, die nur aus besonderer Situation heraus echt empfunden werden können, sollen dem alltäglichen Gebrauch ent⸗ zogen und so vor Entleerung bewahrt werden. Auch der Mißbrauch des„Vaterunsers“ als bloße Lückenfüllung soll aus gleichem Grunde verhütet werden.
5. Verbindung des wertvollen alten Gutes mit be— waͤhrtem neuen. Manche Lieder wurden nur im Text übernommen, teils, weil sie wegen ihres geringen Wertes allmaͤhlich besseren weichen sollen, teils, weil mehrere Melodien in Gebrauch sind, teils, weil ihre Weisen uüberall bekannt sind(einige zersungene Lieder wurden trotz⸗ dem in Moten gesetzt, um ein sauberes, einheitliches Neueinstudieren zu ermöglichen). Bei wenigen Liedern wird auf die Melodie eines anderen Liedes verwiesen; im allgemeinen wurde dies vermieden, weil es den Weisen ihre Kraft und Einmaligkeit nimmt und die Harmonie zwischen Wort und Weise beeinträchtigt.
Die Meßfeier wurde aus praktischen Gründen den letzten Kirchen⸗ jahrabschnitten der Endzeit angefügt; als das große Zeichen der kommenden Liturgie der Geheimen Offenbarung ordnet sie sich über⸗ dies sinnvoll hier ein. Im Canon, der ja nicht gemeinsam gesprochen wird, wurden kleine Verbesserungen der Ubersetzung vorgenommen. Im übrigen führt dieser Teil von der einfachen Betmesse fortschrei⸗ tend zum Höhepunkt der Liturgie, zum Choralamt der Gemeinde, hin. Der Familienteil soll die Formkraft der kirchlichen Liturgie ins Leben übertragen. Seine Anregungen zur Auswahl— mehr will er nicht bieten wurden neben dem lebendigen Brauchtum den besten Familien⸗ und Hausbüchern entnommen.
Möge dieses Buch zur Weiterarbeit anregen und den Mut zu unbeirrtem Schaffen stählen im Dienste echter Frömmigkeit, in der der Mensch mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele, in ungeteilter Kraft Gott dient. 7


