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Evangelisches Gesangbuch für Rheinland und Westfalen : [nebst] Ordnung des Gottesdienstes
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Gebete für die häusliche Andacht. 54

deine heiligen Gebote vielfältig übertreten. Wenn du gerufen, haben wir nicht geantwortet; wenn du gedroht, haben wir vom Bösen nicht abgelassen; wenn du uns gezüchtigt, haben wir uns nicht gedemütiget. Ja wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an dir haben sollten.

Darum kommen wir jetzt zu dir und bitten im Namen Jesu, deines lieben Sohnes, vergieb uns unsere Schuld und mache uns durch sein Blut rein von allen unseren Sünden. Sieh uns an mit den Augen deiner Barm⸗ herzigkeit, nicht als die Gefallenen, sondern als die Erlösten in Jesu Christo, deinem Sohne. Schenke uns deinen heiligen Geist, daß er uns erleuchte, reinige und erneuere. Hilf uns, den guten Kampf des Glaubens kämpfen und laß uns unsträflich erhalten werden bis ans Ende.

Nimm dich deiner Kirche gnädig an und schütze sie wider alle Macht und List des Feindes. Segne die Predigt deines Wortes an allen Seelen und bewahre uns, daß der Satan den guten Samen nicht von unsern Her⸗ zen nehme. Laß deine Hilfe widerfahren unserm Vaterlande, unserm gelieb⸗ ten Kaiser samt seinem ganzen Hause, allen Obrigkeiten unsers Landes und unsern Gemeinden. Laß unter den Unruhen und Stürmen dieser Zeit un⸗ ser Vaterland deiner gnädigen Obhut befohlen sein. Sei unserm Volke eine starke Schutzwehr gegen alle Feinde und Gefahren, die ihm drohen: be⸗ wahre uns unter dem Schatten deiner Flügel in rechter Einigkeit, Liebe und Treue.

Erbarme dich eines jeden, der heut mit bußfertigem Herzen zu dir aufblickt. Und wer noch verhärtet ist in Unbußfertigkeit, den erwecke du, o Herr, so lange es noch Zeit ist, und treibe ihn kräftig an, rechtschaffene Früchte der Besserung zu bringen.

Alle Kranke und Notleidende, alle Betrübte und Angefochtene befehlen wir deiner treuen Vaterliebe. Laß in jeder Anfechtung deinen heiligen. Geist die Herzen regieren, stärken und trösten; und jede Trübsal laß geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet werden. Welche du aber abberufen willst aus diesem Leben, in denen verherrliche deine Macht und Gnade, daß sie in getrostem Glauben von hinnen scheiden und die Seligkeit erlangen, die du uns bereitet hast durch Jesum Christum. Amen.

16. Totenfest.

Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für; der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommet wieder, Menschenkinder! Wir gedenken heute derer, welche du im vergangenen Kirchenjahre aus diesem Leben ab⸗ gerufen hast. Du hast dich, so lange sie auf Erden wandelten, an keinem unter ihnen unbezeugt gelassen; nun aber hast du jeden an seinen Ort ge⸗ hen lassen und giebst ihm nach seinen Werken. Ach lehre uns doch, daß. auch unser Leben ein Ende hat, und daß du uns dann vor dein Gericht stellen wirst. Denn unser Leben fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Wir sind wie ein Gras, das da frühe blühet und bald welk wird und des⸗ Abends abgehauen wird und verdorret. Es ist nur ein Schritt zwischen uns und dem Tode. Ach lehre uns das doch bedenken und laß dein Gericht allezeit vor unseren Augen stehen, daß wir klug werden. Die Seelen derer, die in diesem Jahre dir und deiner Gnade entschlafen sind, sind nun in der Ruhe. Wir aber schweben noch auf dem Meere dieser Welt, umgeben alle⸗ zeit und überall von Wellen und Klippen. Führe uns sicher hindurch und laß uns auch zu dir gelangen. Bewahre uns vor dem Ende der Ungläubi⸗ gen und Unbekehrten und laß uns nicht aussäen auf das Fleisch, damit wi⸗

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