10 in
Die 21 Artikel des Glaubens ꝛc. 511
und dergleichen etwas Nützliches und Gutes zu tun, welches alles doch ohne Gott nicht ist, noch bestehet, son⸗ dern alles aus ihm und durch ihn ist. Dagegen kann der Mensch auch Böses aus eigner Wahl vornehmen, als vor einem Abgott niederzuknien, einen Totschlag zu tun ꝛc.“
Der XIX. Artikel. Von Ursach der Sünden.
Von Ursach der Sünden wird bei uns gelehrt, daß, wiewohl Gott der Allmächtige die ganze Natur geschaffen hat und erhält, so wirket doch der verkehrte Wille die Sünde in allen Bösen und Veräch⸗ tern Gottes, wie denn des Teufels Wille ist und aller Gottlosen, welcher alsbald, so Gott die Hand abgetan, sich von Gott zum Argen gewandt hat, wie Christus spricht Joh. 8: Der Teufel redet Lügen aus seinem Eigenen.
Der XX. Artikel. Vom Glauben und guten Werken.
Den Unsern wird mit Unwahr⸗ heit aufgelegt, daß sie gute Werke verbieten; denn ihre Schriften von Zehn Geboten und andere beweisen, daß sie von rechten christlichen Stän⸗ den und Werken guten nützlichen Bericht und Ermahnung getan haben, davon man vor dieser Zeit wenig gelehrt hat, sondern allermeist in allen Predigten auf kindische, unnötige Werke, als Rosenkränze, Heiligendienst, Mönchewerden, Wall⸗ fahrten, gesetzte Fasten, Feier, Brü⸗ derschaften ꝛc. getrieben. Solche unnötige Werke rühmt auch unser Widerpart nun nicht mehr so hoch, als vorzeiten; dazu haben sie auch gelernet, nun vom Glauben zu reden, davon sie doch in Vorzeiten
gar nichts gepredigt haben; lehren dennoch nun, daß wir nicht allein aus Werken gerecht werden vor Gott, sondern setzen den Glauben an Chri⸗ stum dazu, sprechen: Glauben und Werke machen uns gerecht vor Gott, welche Rede mehr Trostes bringen mag, denn so man allein lehrt, auf Werke zu vertrauen.
Dieweil nun die Lehre vom Glau⸗ ben, die das Hauptstück ist im christlichen Wesen, so lange Zeit, wie man bekennen muß, nicht ge⸗ trieben worden, sondern allein Werk⸗ lehre an allen Orten gepredigt, ist davon durch die Unsern solcher Un⸗ terricht geschehen:
Erstlich daß uns unsere Werke nicht mögen mit Gott versöhnen und Gnade erwerben, sondern sol⸗ ches geschieht allein durch den Glauben, so man glaubt, daß uns um Christus willen die Sünden vergeben werden, welcher allein der Mittler ist, den Vater zu versöhnen. Wer nun vermeinet, solches durch Werke auszurichten und Gnade zu ver⸗ dienen, der verachtet Christum und suchet einen eignen Weg zu Gott wider das Evangelium.
Diese Lehre vom Glauben ist öffentlich und klar im Paulo an vielen Orten gehandelt, sonderlich zu den Ephesern am 2.: Aus Gnaden seid ihr selig worden, durch den Glauben, und das⸗ selbige nicht aus euch, sondern es ist Gottes Gabe, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme ꝛc. Und daß hierin kein neuer Verstand eingeführt sei, kann man aus Augustino beweisen, der diese Sache fleißig handelt und auch also lehrt, daß wir durch den Glau⸗ ben an Christum Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden, und


