Druckschrift 
Evangelisch-lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche : [nebst] Gebete, Lektionar, Ordnung des Haupt-Gottesdienstes an Sonn- u. Festtagen ; fer kleine Katechismus Dr. Martin Luthers
Entstehung
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Die zweite Bitte. Dein Reich komme. Was ist das?

Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet von ihm selbst,

aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das?

Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben hier zeitlich und dort ewiglich.

Die dritte Bitte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Was ist das?

Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet;

aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe. Wie geschieht das?

Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille, sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende; das ist sein gnädiger, guter Wille.

Die vierte Bitte. Unser täglich Brot gib uns heute. Was ist das?

Gott gibt täglich Brot, auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er uns erkennen lasse und mit Danksagung empfangen unser täglich Brot.

Was heißt denn täglich Brot?

Alles, was zur Leibes Nahrung und Notdurft gehört, als Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treue Ober⸗ herren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

Die fünfte Bitte. Und vergib uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Was ist das?

Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden, und um derselben willen solche Bitten nicht versagen; denn wir sind der keines wert, das wir bitten, haben's auch nicht verdienet; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, denn wir täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohl⸗ tun denen, die sich an uns versündigen.