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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Ich weiß nicht, wie es kam, daß er solange ungehindert Sprechen konnte. Wir alle befanden uns unter einem Bann.

Dietz brüllte dann plõtzlich los:«Schluß machen l* Der Schaum stand ihm vor dem Munde.«Schluß machen mit dem Judenschwein lv

MAlles weitere spielte sich in rasender Geschwindigkeit, in rasendem Durcheinander ab. Bevor ich richtig erfaßte, was geschah, waren die zwei Mãdchen schon gehenkt, war der Lehrer von mehreren Schwarzen gepackt und mit aller Wucht auf den Pfahl gespießt worden. Er schlug um sich, er stöhnte.. ach, es ist nicht zu beschreiben, Schwester Marussja.. nein, es ist nicht zu beschreiben. Ich dachte, ich würde irrsinnig werden. Aber ich wurde nicht irrsin- nig. Ich blieb selbst dann noch bei Verstand(wenn man das Verstand nennen kann), als Dietz nach kurzer Beratung mit Haddenhorst mir und meinen beiden Nebenmännern auf- trug, Holz zu einem Feuerzusammenzutragen unddie Eisen- bãnder zu erhitzen, die Eisenbänder, mit denen die kleine Tochter des Lehrers gesprächig gemacht werden sollte.

Ja, Schwester Marussja, so tief kann man sinken. So un- Sagbar tief. Meine Hand zitterte, als ich das Eisen ins Feuer schob, aber ich schob es hinein. Ich schob es hinein, ich Sah es rotglũhend werden, und ich bin nicht sicher, ob ich es nicht auch noch dem Kind um den Kopf gelegt hätte, wie Dietzens Befehl lautete, wãre nicht der plõtzliche Par- tis anenangriff erfolgt, bei dem das ganze Porf in Flammen aufging. Unsere Truppe und die Besatzungskompanie wurden nur durch das Eingreifen deutscher Panzer vor võlliger Vernichtung bewahrt. Unter den Toten, die wir nachher auflasen, befand sich auch Dietz. Der kopflose, von Handgranaten zerfetzte Kõrper war bloß an einem Fin- ger mit dem SS. -Runen-Ring zu erkennen.

Was soll ich noch, was kann ich noch hinzufügen? Zwei Tage darauf wurde ich verwundet, als unser zu-

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