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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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zu. Der trat vor, wart seinen rechten Arm in die Hõhe und gab mit einer vor Ubereifer brüchigen Stimme bekannt, daß die nach dem gestrigen Uberfall eingeleitete Gegen- aktion bereits zu den ersten Erfolgen geführt habe. Es sei den Sicherheitsorganen gelungen, in schlagartigem Zugriff drei Verbindungsleute der Heckenschützen zu fassen. Eine exemplarische Bestrafung dieser Kreaturen liege in unser aller nationalem und persõnlichem Interesse. Jedes Zeichen von Menschlichkeit, jede Milde würde von der Bevölke- rung nur als Schwãche ausgelegt. Deutschland aber sei stark und werde die geringste Unbotmäßigkeit erbarmungslos ausmerzen.

Die letzten Worte wurden von einem Dolmetsch für die Frauen und Kinder ins Russische ühersetzt. Nichts rũhrte sich in den Gesichtern. Dietz wartete noch eine Sekunde, seine Finger zuckten nervõs an den grellgelben Hand- schuhen, die er wãhrend der Rede ausgezogen hatte; dann bellte er einen Befehl zu dem SS. -Kommando hinüber.

Drei gefesselte Gestalten wurden zur Richtstãtte geführt: ein Mann und zwei Mãdchen. Die Kleider hingen ihnen in Fetzen hinunter, ihre Gesichter waren verschwollen und blau von Schlãgen. Die Reihe der Frauen und Kinder wurde bei ihrem Anblick von einer zitternden Bewegung durch- laufen, von einem dumpfen Laut, der wie ein unterdrũck- ter, tiefer Seufzer klang; doch gleich darauf fiel sie wieder in ihre Stummheit zurück.

Dietz begann von neuem zu sprechen. Er verkündete, daß die ⁊wei Mãdchen wegen Verbindung mit dem Feinde und Aussageverweigerung gehängt würden. Bei dem Manne hingegen liege die Sache anders. Er sei Lehrer, noch dazu Jude, und für einen solchen Bazillenträger der bolschewi- stisch-plutokratischen Pestilenz komme natürlich ein so schneller und einfacher Tod nicht in Frage. Deshalb würde in seinem Fall die altdeutsche Strafe des Pfählens in An- wendung gebracht werden, es sei denn, daß der Kerl noch

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