noch dazu in der Finsternis, konnte keine Rede sein. Doch wurden wir in der Nacht wiederholt durch Maschinenge- wehrfeuer aufgestõrt, das aus der Richtung des Schulhauses kam, wo die SS. Geiseln erschoß. Dietz, der an Stelle seines getõteten Leutnants provisorisch den Befehl über das Streif- kommando ũbernommen hatte, leitete die Hinrichtungen. Ich bekam ihn kurz zu Gesicht, als ich die Mitternachts- wache vor Haddenhorsts Quartier bezog. Dietz kam, um mit dem Oberfeldwebel etwas zu besprechen. Er bewegte sich wie in Trance, seine Augen hafteten am Boden, das Haar hing ihm wirr ins Gesicht. Schon glaubte ich, er habe mich gar nicht bemerkt, als er unerwartet den Kopf hob und auf mich zutrat.
(Na, was ist los, Holler? Keine Lust zu Schießübungen? Mir scheint, du leidest immer noch an deinem Butterher- zen. v Dietz rieb sich die Hände. Im Schein des Windlichts, vor dem wir standen, sah ich, daß er an seinen schwammi- gen Fingern jetzt mehrere Ringe trug, darunter einen mit der SS. -Rune.
Mir war es bisher immer noch gelungen, in einer Be- zichung zu lavieren: ich hatte die unmittelbare Teilnahme an Mordtaten vermeiden kõnnen. Das gab mir Beruhigung und Trost, bestärkte mich aber auch in meiner Passivitãt, in meiner Feigheit.(An die nächtliche Erschießungs-Szene im Lehmbruch bei Prag erinnerte ich mich kaum jemals, und wenn ich mich daran erinnerte, so war ich sicher, daß damals keiner meiner Schüsse getroffen hatte.)
Dietz schien mich zu durchschauen.«Höchste Zeit, Mann, daß du dir das abgewöhnst!* Er lachte hart. Mir wurde kalt dabei. Was mochte er im Schilde führen? Ich sollte es nicht erfahren. Der Oberfeldwebel erschien auf der Schwelle des Hauses und erklärte, er sei zum Ortskom- mandanten befohlen, und wenn Dietz etwas von ihm wolle, mũsse er mitkommen. Sie verschwanden mit langen Schrit- ten im Dunkel.
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