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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Schon alles gut ausgehen, aber dabei spürte ich, wie in mir selbst die Angst saß gleich einem hösen, gierig wu- chernden und fressenden Geschwür.

In uns allen wucherte und fraß die Angst. Sie war es, die uns vollends gegen fremde Leiden und eigene Roheiten abstumpfte.

Wie viele, nein wie wenige von uns wandten auch nur die Augen weg, als wir an den toten Kindern auf dem Spielplatz von Glubokaja vorbeimarschierten? Reichardt war der einzige, der sich aufbãumte. Er lief aus dem Glied und schrie, so was sei glatter Mord.

Binem Kriegsgericht entging Reichardt wohl nur des- halb, weil Oberfeldwebel Haddenhorst seine Truppe nicht auch noch auf diese Weise verringert schen wollte. Die Strafe lautete deshalb auf drei Stunden anbinden. Rei- chardt wãre dabei um ein Haar draufgegangen; man mußte ihn nachher schleunigst ins Lazarett schaffen.(Von dort haute er übrigens, wie ich spãter erfuhr, rechtzeitig ab und desertierte herüber; er soll in einem Kriegsgefangenen- lager im VUral sein.)

Am gleichen Abend schlichen sich Partisanen in das Porf ein, steckten das Gebäude an, in dem sich die Ortskom- mandantur befand, zerstõrten den großen Benzintank und warfen eine geballte Ladung Handgranaten ins Offiziers- kasino, wo gerade eine Befõrderungsfeier stattfand. Meh- rere Ordonnanzen und Offiziere, darunter auch der Leut- nant vom SS. -Streifkommando, blieben sofort auf der Strecke. Bei der folgenden wilden Schießerei in den dunk- len Porfgassen hatten wir noch einige Tote und Verwun- dete. Die Angreifer entwischten bis auf einen Alten, der Schwerverletzt zurckblich und sich selbst eine Kugeldurch den Kopt jagte, nachdem er vorher zwei S8. Leute erledigt hatte.

Von einer Verfolgung der Partisanen durch die Wãlder,

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