Schon auf der Fahrt durch Polen fing es an. Jede halbe Stunde eine geschwärzte Häuserruine nahe genug am Bahndamm, daß man im Vorübergleiten die deutsch -pol- nische Inschrift auf der großen Tafel davor lesen konnte: Strafweise niedergebrannt! Die Stãdte und Dörfer dũster, zumeist wie ausgestorben. Die Menschen auf den Statio- nen so zerlumpt! So verhungert. So haßerfüllt, wenn sie sich unbeobachtet glaubten.
Und immer wieder Galgen. Galgen auf freiem Feld. Gal- gen auf Marktplätzen. Galgen neben Bahnschranken. Oft mit einer ganzen Reihe Gehenkter nebeneinander, an einer Stange. Alte Männer darunter, deren lange, gelblich- weiße Bärte im Winde wehten wie verwitternder Birkenbast; Frauen mit gespenstisch aufgedunsenen Körpern; einmal auch ein Kind, ein Junge in hellblauem Ruderleibchen und kurzen Hosen. Uber den Galgen Schwärmme von gemãste- ten Raben.
(Tja, wir lassen die Herrschaften immer eine ganze Weile so baumelnv, erklärte uns der SS.Wachtmeister, der irgendwo hinter Krakau in unser Abteil einstieg und bis zur nãchsten grõßeren Stadt mitfuhr,«das ist die beste Er- ziehungsmethode für die Bevölkerung. Viel besser als alles Reden und Schreiben. Da sieht das Pack wenigstens greif- bar vor sich, was ihm blũht, wenn es aufmuckt. vEr grinste. Es schlug ihm keiner von uns in die Fresse. Die meisten hörten gleichgültig zu. Ein paar lachten. Ich tat so, als ob ich schlafe. Noch heute kann ich Wort für Wort wieder- holen, was er über die unverbesserliche Aufsässigkeit des slawischen Packs sagte: aIm Grunde sind sie natũrlich nicht zu erziehen, und man müßte sie samt und sonders ausradie- ren, diese ganzen Polen , Weißrussen , Ukrainer und wie sie heißen. Die gehören nicht anders hehandelt als die Juden. Und von denen wird ja, Gott sei Dank, nach dem Krieg nichts mehr übrig sein. Der Führer hält sein Wort.» Und er peschrieb die fahrbaren Gaskammern, die von der SS. eben
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