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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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bei einer Rucksackdurchsuchung das schwarz-weiß kar- rierte Heft wegnahm.)

Und was anders als Ausflucht und Versteckenspiel wa- ren sogar diese letzten Zeilen? Wenn mir etwas zustõßt, und Du, Mutter, bekommst meine Tagebuchaufzeichnun- gen in die Hand, dann sollst du eines von mir wissen: ich habe immer ein anständiger Mensch sein wollen. Gewalt- tätigkeit war mir stets in der Seele verhaßt. Ich hätte nie- mals aus freien Stücker jemand ein Leid angetan. Ich bin nicht schlecht. Aber das Schicksal ist gegen mich. Das Le- ben in seiner unberechenbaren Grausamkeit hat mir nicht erlaubt, anständig zu bleiben. Es hat mich zur Gewöhnung an die Gemeinheit gezwungen. Es hat mich mit Stumpf- sinn und Gleichgũltigkeit geschlagen. Es hat mich zur Teil- nahme an Schweinercien gepreßt. v

Und trotzdem, Schwester Marussja, will ich diesmal nicht kneifen. Ich will nicht meht ausweichen. Nicht die Verant- wortung von mir weg auf ein unberechenbares, grausames Schicksal schieben.

Ich will sprechen, Schwester Marussja.

Ich muß sprechen.

Ich bin durch eine Hölle hindurchgegangen. Ich denke jetzt nicht an den Schuß ins Gesicht, sondern an die Pinge vorher die schrecklichen Dinge, die ich geschen habe. Und nicht nur geschen. Ich habe auch... ich habe auch daran teilgenommen, Schwester Marussja.

Ja, ich habe an schrecklichen Dingen teilgenommen.

Ich muß Ihnen sagen, wie das alles war. Auch wenn es mir so schwerfällt, wie mir noch nichts auf der Welt schwergefal- len ist. Ich muß, was immer die Folgen für mich sein mõgen.

Ich muß.

Weil es nãmlich anders nicht auszuhalten ist.

Weil man das nãmlich nicht allein mit sich herumtragen kann.

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