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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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I.

HIN, Schwester Marussja, es geht nicht. Ich kann in

meiner Geschichte nicht fortfahren. Ich bringe es nicht zuwege, klar und zusammenhängend über das zu sprechen, was sich in den ⁊wei Wochen zugetragen hat, die zwischen meiner Abfahrt von Prag und meiner Gefangennahme la- gen; in jenen spukhaften vierzehn Tagen, durch die ich wie betãubt dahingetappt bin, wie benebelt von Furcht und Wurstigkeit und Ermattung. Nein, Schwester Marussja, ich bringe das nicht zuwege.

Jetzt glauben Sie sicher, daß ich auskneifen will... Ja, ja, das glauben Sie, Schwester Marussja, und ich kann es Ihnen auch gar nicht verdenken.

Habe ich Ihnen nicht selber gesagt, daß ich immer zum Flugsand gehörte, daß ich die Wege des geringsten Wider- standes liebte?

Hat Ihnen nicht meine ganze Geschichte gezeigt, daß ich vor jedem selbstãndigen Entschluß, vor jeder verpflich- tenden Erkenntnis, vor dem Nachdenken und Zu-Ende- Denken zurückschreckte wie ein wasserscheues Kind vor dem Absprung ins Wasser?

War es nicht eine Flucht vor mir selber, daß ich in jenen vierzehn Tagen nichts in mein Tagebuch einschrieb? (Nichts außer ein paar Zeilen am Vorabend meiner Ver- wundung, eine halbe Stunde bevor mir der Oberfeldwebel

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