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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
375
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neuem zu sprechen begann, hörte ich nicht sie, sondern im- mer noch Joachims letzte Worte, die in mir nachtõnten und meine eigenen geheimen Kngste und Zweifel wachlãute- ten.

War es eine nachdrũcklicher betonte Frage, oder das leise Klopfen des Monokels gegen die Tischplatte, oder was sonst war es, das mich aus meiner brũtenden Taubheit riß?

Mit dem gleichen Gefühl des Ertapptseins wie einst in der Schule beim überraschenden Ruf zur Tafel, stieß ich hervor: Wie, bitte d»

Doch ich war gar nicht, aufgerufen worden. Frau von Chabruns Fragen galten, wie ich mit Erleichterung fest- stellte, nicht mir. Sah sie mich überhaupt? War ich für sie noch da?

Ihr Blick unter den zusammengezogenen Brauen ging ins Leere, ihre Stimme senkte sich, wurde fast unverständ- lich: Was ist das nun? Eine Krankheit der Seele d Ein all- gemeiner Ermattungszustand infolge der unerhörten An- strengungen? Die Zermürbung durch diesen Krieg ohne Ende d Oder haben wir unsere Söhne am Ende falsch er- ꝛogen dv Sie zog das Jackett wie frõstelnd zusammen, stand auf. Nun, was immer es sein mag, Joachim ist tot, und was bleibt... v Jetzt erst trat ich wieder in das Feld ihrer Aufmerksamkeit. Sie sind mir immer noch eine Auskunft schuldig, Herr Holler, über das Kind.

(Oh bitte, ich will Ihnen gern alles sagen, was ich weiß. Leider ist es nicht viel. Joachim hat mir nur das eine Mal davon erzãhlt. Die Kleine soll an die vier Jahre alt sein. Sie lebt in Neu-Ruppin , vermutlich bei ihrer Mutter, die Guts- mamsell bei einem Grafen Platen oder Pahlen ist. Kann das stimmen Ja d Pann ist das alles, Frau von Chabrun.v

Ihr dunkles Gesicht schien zusammenzuschrumpfen. Die Finger zupften an der Monokelkette. Wie? Eine Guts- mamsell? Darauf war ich allerdings nicht gefaßt.v Sie preßte die Schmal und fahl gewordenen Lippen aufeinan-

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