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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Leben aus, nicht mehr als Soldat, sondern als Beamter, re- klamiert vom Reichsprotektoratsamt. Und er wußte sein Phantasiegebãude so solid mit Namen und Daten, garan- tiert echter Reklamierungsfälle zu unterbauen, daß sogar Klobocznik von seiner Hoffnungsfreude angesteckt wurde.

(Sack Zement!l» rief Klobocznik aus, adann denk aber auch an deine alten Kameraden, Holler, und leg für sie ein gutes Wörtchen ein 1v Er erbot sich, mir seine Extramütze zu leihen, und drang in Sadowski, mit einem Tiegel Haar- pomade herauszurũcken, den der Magdeburger für seinen nãchsten Heimaturlaub in Bereitschaft hielt. Deine Laura nimmt dich auch ohne eingefettete Schmachtlockev, argu- mentierte er, aaber det Holler hier muß nach was aussehen, wenn ihn seine Baronin protegieren soll.* Schließlich be- sorgte er auch noch zwei elegante Bambuskrücken von einem Musiker, der im Nebenzimmer lag. Ich brauchte zwar neuerdings nur noch einen Stock als Stũtze beim Ge⸗ hen, aber ein Stock, so meinte Klobocznik, noch dazu ein ganz ordinärer Lazarettstock, schinde nicht genug Fin- druck bei einem Besuch, wie ich ihn vorhatte.

(Stimmt auffallendꝰ, pflichtete ihm Sadowski bei, gein Soldat auf᷑ Krũcken macht viel mehr her hei einer Dame. v

Sie gaben mir beide das Geleite bis zur Torwache und winkten mir zärtlich nach, wie einem Besuch, der Grüße und Liebesgaben von daheim gebracht hat und bald wie- derkommen soll.

Die Straße ,Unter den Kastanien' läuft quer durch das alte Villenviertel oberhalb des Baumgartens.

In den geräumigen Häusern, auf deren grauweißen und ockergelben Fassaden die Patina eines gediegenen Luxus liegt, haben nach Austreibung der frũheren nichtdeutschen Bewohner viele der in Prag tätigen hohen Reichsbeamten und Offiziere ihre Dienstwohnungen zugewiesen erhalten.

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