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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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fer über die Arbeit, so daß ich ihr Gesicht nicht sehen konnte. Effi ist leider auch nicht auf dem rechten Wege. In den letzten Wochen geht das Mädel ein wie die böh- mische Leinwand. Mit ihren achtzehn Jahren sicht sie, weiß Gott , aus, als hãtte sie das ganze Leben schon hinter sich. Jetzt muß sie auch noch in ein Sanatorium. Mir hat man ja nicht gesagt, was ihr fehlt, aber wenn ich so sche, wie die Resi in einem fort mit der Lysolflasche herum- lãuft und alles desinfiziert, dann denke ich mir schon mein Teil, nicht wahrd»

Ein heißer Propfen stieg mir in der Kehle hoch. Wußte Mutter von dem, was zwischen Effi und mir vorgefallen ward Ahnte sie etwas? Ich beschloß, mich einfach nichts- wissend zu stellen, wenn sie bei mir auf᷑ den Busch klopfen sollte.

Doch Mutter blieb stumm. Sie faltete die zuletzt geflick- ten Strũmpfe pedachtsam zusammen, hob aber noch im- mer nicht den Blick.

Vom Korridor her schlug die Uhr vier. Mein Gott, so spãt schon 1 Mutter stand bestürzt auf. jetzt muß ich mich aber sputen!y

Was denn? Du gehst doch nicht schon, Mutterꝰv

Doch, Kind. Ich muß. Uber Nacht kann ich hier in Prag nicht bleiben. Auch fãhrt Effi morgen schon in aller Herr- gottsfrũhe weg. Und dann... vSie fingerte an den Mantel- knõpfen herum. Ihre Wangen färbten sich leicht rot. Eine ungekannte Verlegenheit trat in ihrem Benchmen zutage, als Sie stockend weitersprach: aIch bin nãmlich... noch in einer andeten Sache... Ich habe einen Gang zu tun... Doch davon wollte ich gar nicht reden.v

Sie schüttelte sanft, aber bestimmt den Kopf, als ich sie bestürmte, mir mehr über ihr geheimnisvolles Geschäft zu verraten. Nein, das hat keinen Zweck, Hansl; glaub mir, es ist besser, du weißt von nichts. Nächstens, wenn wir wieder beisammen sind, kann ich dir sicher alles sagen.

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