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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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gung. Im aufbrodelnden Lärm schallte der Liedrefrain noch einmal auf und versank dann:

Für Hakenkreuz auf blutig Rot Gehn wir mit Freuden in den Tod.

Der Regen hatte etwas nachgelassen. Ich humpelte durch Seitengassen dem Krankenhaus zu. Fin plötzlich wieder los brechender Guß trieb mich in ein Haustor.

An der Mauer gegenüber klebte ein Plakat. Mechanisch heftete sich mein Blick an die fettgedruckte Uberschrift: Gesucht lebend oder tot ly Ein Steckbrief der Geheimen Staatspolizei. Das Bild der gesuchten Person war fast un- kenntlich. Jemand hatte einen Streifen des Plakats weg- gerissen, so daß nur eine Gesichtshälfte übrig geblieben war: eine breite Stirn unter welligem Frauenhaar, ein zar- ter, fester Mund. Die Regentropfen auf der Wange nah- men sich wie Trãnen aus. Aber diese Tränen waren nicht Zeichen von Schwäche oder Angst; sie sprachen vielmehr von Trotz, von Zorn und von unerbittlichem Vergeltungs- willen. Und sie sprachen zu mir.

Das Herz erzitterte, als habe sich eine Schlinge darum gelegt und ziche sich nun jählings zusammen. Ich mußte mich anlehnen, ich schloß die Augen. Aber durch die ge- schlossenen Lider hindurch sah ich das Bild auf dem Steck- brief. Es war Lidkas Bild.

Ich tappte davon, von Entsetzen gepackt, wie ein Fie- bernder. Im Rauschen des Regens hörte ich ununterbro- chen die Worte: Gesucht. Tot oder lebendig. Von der Ge- stapo gesucht. Von eurer Gestapo gesucht. Von deiner Ge- stapo gesucht... v

Ich atmete erst wieder auf, als ich unser Krankenhaus- zimmer betrat. Klobocznik, der mit Sadowski die übliche Nachmittags-Mariagepartie spielte, schaute finster von den Karten auf und nuschelte:«Daß du ausgerechnet heute

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