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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
348
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Ich steckte das Buch ein und winkte der Kellnerin.«Zah- len, Fräulein lv

Der Himmel hatte sich bedeckt. Ein Schauer ging nie- der. Mein Bein begann wieder zu schmerzen.

Ich stieg in die nãchste Straßenbahn. Kein Sitzplatz war frei. Ein bockbärtiger Luftschutzwart, der gleich mir im Mit- telgang stand, fragte laut, in schnarrend preußischem Ton- fall:(Na, los, wer läßt den Verwundeten hier sich nieder- setzen?»

Die Passagiere auf den Bãnken links und rechts starrten in die Luft. Es waren Tschechen . Hinter ihrer scheinbaren Gleichgũltigkeit lauerte das Unfaßbare.

Der Bockbärtige mußte es ebenso spũren wie ich. Er lief bläulich an, krächzte mir zu:«Hier wird man auch noch mal ausfegen mũssen, mit eisernem Besen.»

Der Straßenbahnwagen hielt unvermittelt zwischen zwei Haltestellen.

Ein Blick auf᷑ die Straße hinaus zeigte mir, daß der ganze Verkehr stockte, um einen Trupp junger Burschen und Mädchen in H].-Kluft passieren zu lassen. Da marschier- ten sie durch die eroberte Stadt mit herausfordernd pras- selnden Schritten. Die Runenwimpel flatterten über ihnen. In der aufklaffenden Stille klangen ihre Stimmen doppelt laut. Sie sangen:

Wenn vor dem Feind wir stehen, Die Brust von Mut geschwellt, Muß alles in Scherben gehen, Bis uns gehört die Weltl

Das Unfaßbare schwoll an. Es war wie ein schlagendes Wetter vor der Entzũndung. Ich hielt die Spannung nicht länger aus und verließ den Wagen.

Der Trupp Hitlerjugend war vorbeimarschiert. Die Stra- Benbahnen und Wagen setzten sich von neuem in Bewe-

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