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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Blick lesen: aSieh da, deutscher Soldat, hat es dich er- wischt? Gut so! Aber noch lange nicht gut genug. Warte nur, warte, die Stunde kommt für dich und alle deine Ka- meraden in der verfluchten Uniformlv

Ja, die Frau auf der Parkbank hatte recht: es konnte einem unheimlich werden.

Von den Türmen der Altstãdter Kirchen schlug es ein Uhr, als ich den großen Buchladen auf dem Graben betrat. EHs war Mittagspause. Kein Käufer im Laden. Nur eine einzige Verkäuferin hantierte im Hintergrund zwischen den Regalen herum. Erst nach einer Weile kam sie nach vorn und fragte nach meinen Wünschen. Sie war alt, hatte ein strenges, blasses Gesicht; ihre Stimme klang gleich- gültig und mũde.

Von den zwei technischen Büchern war das eine nicht mehr im Handel, das andere im Augenblick ausverkauft. Die Konversations-Grammatik mußte in Leipzig bestellt werden. Das mathematische Lehrbuch fand sich nach lãn- gerem Suchen unter den antiquarischen Bänden. Als ich zum Schluß denKatechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann? verlangte, bemerkte ich zu meiner Ver- wunderung, wie sich das Gesicht der Alten lächelnd auf- schloß. Ja, dieses Buch wird jetzt von vielen verlangt, die gerade von der Front kommen.v Sie blickte auf meine Krücken und unterdrũckte einen Seufzer.«Ich hab einen Neffen gehabt, ungefähr in Ihrem Alter. Unteroffizier bei den Pionieren. Mein einziger Verwandter. Er ist im Winter bei Smolensk gefallen. Ach ja. Wie viele sind schon hin- gegangen in diesem Krieg! Und wieviel Blut muß noch fließen, bevor wir wieder Frieden haben d»

Eine schwarzgekleidete Dame kam in den Laden und fragte nach einem Atlas. Die Verkäuferin bat sie, sich einen Augenblick zu gedulden, und packte schnell meine Bücher ein.

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