und vor allem so unendlich fade, daß ich ernstlich be- fürchte, vor Langeweile das Zcitliche zu segnen. Was Ver- nünftiges zu lesen gibt's auch nicht mehr in diesem Kaff, und so ergeht an Dich der dringende SOS.-Ruf, mir die paar Bücher, deren Titel Du auf inliegender Liste findest, zu besorgen.
PS.: Ich habe eine Kiste mit den hinterlassenen Hab- seligkeiten von Kurt bekommen, und auch einen in seiner Mappe gefundenen Brief, den er nicht mehr zu Ende ge- schrieben hat. Die Kiste geht nach Hause ab. Mutter soll die Verteilung vornehmen. Die Existenz des Briefes habe ich ihr unterschlagen. Ein kurioses letztes Lebenszeichen, kann ich Dir sagen. Handelt fast nur davon, wie sie bei seinem Eskortenkommando mit renitenten Gefangenen umgegangen sind. Htwas starker Tabak, selbst für mich alten Fronthengst, aber in diesem Krieg ist das Wörtchen „Pardon? verdammt unbekannt, das hat der gute Kurt am eigenen Leib erfahren müssen. Ja, heute noch auf stolzen Rossen... Da bittet er mich noch, ich soll ihm ein oder zwei Dutzend Pariser organisieren, damit er sich in Tiflis mit den kaukasischen Schönheiten ungestraft vergnügen kann, und das ist der Schluß.
PPS.: Vergiß das Lesefutter nicht. v
Aus der Bücherliste wurde ich nicht recht klug. Daß Gerhard eine russische Konversations-Grammatik haben wollte, schien mir nicht weiter verwunderlich. Aber wozu brauchte er zwei Werke über neue Bautechnik und ein ma- thematisches Lehrbuch? War es denkbar, daß ein Typ wie er, der niemals einen richtigen Beruf gehabt und immer nur für die Vniform, die Bewegung gelebt hatte, jetzt auf einmal daran dachte, ein längst an den Nagel gehängtes Fachstudium wieder aufzunehmen? Doch warum bestellte er sich dann auch noch den Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann und andere Schriften von Ernst
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