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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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(Denken ist Glückssachev, bemerkte Klobocznik weis- heitsgeschwollen, cund man soll's ieber nicht erst probie- ren, hat mein Großvater immer gesagt, es bringt einen nur in Schlamastiken. Da, trink noch! Nach einem guten Schluck wird alles einfach. v Er brachte eine ⁊weite Flasche zum Vorschein und ließ sie herumgehen.

Sadowski knurrte und brummte und schüttelte den Kopf, aber er trank, beruhigte sich, versank in Dõsen und Träumen.

Wir alle versanken darin.

Der Schnaps war unser großer Trõster. Denn im Grunde hatte jeder von uns den philosophischen Stich, wurde je- der ab und zu rappelig wie Sadowski; und im Grunde war es wohl weder Rappel, noch Vertracktheit, noch philo- Sophische Veranlagung, sondern Unruhe, bõses Gewissen.

Aber der Schnaps schwemmte das alles hinweg. Auf sei- nem Wellenrücken schaukelte das Leben dahin wie Sa- dowskis kommodes Boot. Man ließ sich treiben. Der Kran- kenhausaufenthalt dehnte sich aus, ohne EHnde. Und nach ihm, wenn er doch zu Ende gehen sollte, wartete schon das Wunder ein Druckposten, ein Urlaub, der Friede, das Schlaraffenland. Weit entrũckt lag die Erinnerung an Mau- rers letzte Worte, lag das Wissen um den nie schlafenden Haß der Tschechen, lag die Furcht vor der ins Uferlose treibenden Ostfront, in deren Strudel schon Lutz und Kurt verschwunden waren.

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Von Bruder Gerhard kam ein kurzer Brief in entstellter, zittriger Handschrift.

Er liege wieder einmal im Lazarett und kõnne kaum ein Glied bewegen. Aber das rũhre nicht etwa von einer neuen chrenvollen Verwundung her, sondern von hundsordinä- rem Rheumatismus .

Das Ganze ist mehr lãstig als tragischv, hieß es am Ende,

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