sertation, Selbstverstũmmelung oder ãhnlicher Vergehen zu langen Zuchthausstrafen verurteilt worden und wurden nun nach dem Balkan geschafft, um dort Zwangsarbeit in Bergwerken zu leisten.
Ich erfuhr das von einem der Gefangenen, der mich um Zigaretten und Brot anbettelte. Ich hatte nichts Rauchba- res bei mir. Aber ich war bereit, ihm einen Brotkanten zu schenken, nur ließ sich das nicht sofort bewerkstelligen, weil der aus irgendeinem Grund erboste Marofke(der mich schon auf der Wachstube wegen mangelnder preußi- scher Strammheit als Sudetenwaschlappen beschimpft hatte) lauernd in der Nähe herumstrich. Doch bevor ich das dem Gefangenen zu verstehen geben konnte, begann er schon in breitem Bayrisch zu lästern.
Du Sauspund, damischerv, schrie er, chältst dich wohl für was Besseres als wir? Wart nur, bis sie dich auch an die Front spediert haben, nachher wirst schon dahinter- kommen, daß zehn Jahre im Loch immer noch schöner sind als wie eine Woche an der Russenfront!
Ich nahm ihm das alles zunächst nicht krumm, ja ich warf sogar, als Marofke weggerufen wurde, den Brotkan- ten durch das Gitter.
Der Bayer rief: Danke. Ein Saupreuß bleibst aber doch. Gute Reise ins Massengrablv
Der Teufel mag wissen, warum mir das Wort Saupreuß einen solchen Stich versetzte. Wahrscheinlich war es nicht so schr Arger über den Bayern wie ein Gefühl eigener Schuld, was mich plõtzlich dazu trieb, den Gefangenen an- zuschnauzen, er solle sogleich vom Fenster verschwinden. Der Bayer blieb mir nichts schuldig.
Mit einemmal stürzte Marofke herzu. Was mir einfalle, mit einem Kriegsverbrecher auch nur ein Wort zuwechseln, krakeelte er. Ob ich nicht wisse, wie ein Posten auf eine Wachebeleidigung zu antworten habe. Wozu gibt man Ihnen eine Knarre? prüllte er und tanzte vor mir auf᷑ und
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