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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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SS. Leute vom Bahnhofskommando genossen aufgekratzt das Schauspiel und gaben sachverständige Ratschläge.

Ich hatte in der Nãhe zu tun und konnte beobachten, wie in den Blicken, mit denen die Kroaten zu der schwarzen Gruppe hinũberschielten, die gleiche dũstere Feindseligkeit aufflackerte, die ich von tschechischen Augen her kannte. Unwillkürlich griff ich mir an die Kehle.

Dietz, der neben mir stand, krähte: Ach, diese Empfind- samkeit! Du kannst es wohl nicht mit anschaun, wenn ei- nem von diesem Gesindel die Haut gegerbt wird?v

Ich fragte Dietz spãter, auf der Wachstube, ob er nicht das Schwelen in den Augen der Kroaten geschen habe.

¶Und wenn schonv, lautete seine Antwort. Er spuckte in weitem Bogen zum Fenster hinaus. Dann gab er mir eine gedrängte Lektion ũber das minderwertige Wesen der Sla- wen. aAlles in allem ein Irrtum der Geschichtev, faßte er seine Ansichten schließlich zusammen, aganz niedriges Rassengemisch, gerade noch als Kulturdũnger zu gebrau- chen. v

Ich wandte ein, dies kõnne doch nicht gut für die Kroa- ten gelten, von denen ich erst vor kurzem im Võlkischen Beobachter gelesen hatte, daß sie wegen ihres gotischen Ahnenteils unsere natürlichen rassischen Bundesgenossen seien.

(Ach, du liebe Einfalt!* kreischte Dietz; er wurde von heftigem Lachen geschüttelt. Wirklich, der Streicher hat recht: das Arge mit uns Deutschen ist, wir sind zu chrlich. Er genoß, immer noch prustend, meine Verblüffung und klãrte mich schließlich auf: Diese Sache mit den gotischen Ahnen ist nur ein Notbehelf. Erlaubte nordische List So- zusagen. Wir können jetzt, solange die Neuordnung Eu- ropas noch im Fluß ist, auf gewisse Bündnisse Schlechter- dings nicht verzichten. Dafür zahlen wir unter anderem mit... hehe... rassischer Beförderung, ad interim, selbst- verstãndlich, nur ad interim, hehehe. Aber es wirkt.» Er

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